Archiv der Kategorie ‘Allgemein‘

3. Tour dritter Reisebericht

Montag, den 10. August 2009

Hallo zusammen,
der letzte Bericht ist schon eine Weile her, mittlerweile ist viel passiert. Wahrscheinlich war ein wenig Abstand zu meiner Pleiten, Pech und Pannenshow notwendig. Hier ein paar kleine Auszüge. Wir sind Mexiko angefahren, was mich natürlich gefreut hat, weil ich bei meinem letzten Einsatz leider keine Gelegenheit hatte dort an Land zu gehen. Dieses Mal sah es anders aus. Wir sind Mittags angekommen und sollten ursprünglich gegen 23:00Uhr wieder auslaufen. Also genügend Zeit um an Land richtig mexikanisch Essen zu gehen. Normalerweise ist das Landgangsende ungefähr 2 Stunden vor dem Auslaufen, also rund 21:00Uhr. Bis 18:00Uhr muss ich im Hafen an Deck bleiben aber danach sollte es spätestens losgehen. Tja, und dann kam alles anders. Wir sollten schon um 21:00Uhr wieder raus. Was meine Landgangspläne vorübergehend verninchtet hat. Der Erste Offizier war aber so nett mir zu erlauben schon um 17:00Uhr an Land zu gehen. Den Bootsmann durfte ich auch mitnehmen (alleine gehe ich in einem Land in den ich noch nicht war nicht von Bord).
Dummerweise haben wir ganz knapp den Shuttlebus verpasst, der uns hätte zum Gate bringen sollen. Also mussten wir jemanden finden, der uns fährt. Das haben wir dann auch. Am Gate angekommen hat mir der Bootsmann eröffnet, dass wir wahrscheinlich nicht aus dem Hafen kommen werden, weil wir keine Schiffsidentifikaionskarte haben. Beim letzten Mal hätte es aber wohl auch ohne funktioniert. Mittlerweile war es schon 17:20Uhr und um allerspätestens 20:00Uhr mussten wir wieder an Bord sein. Am Gate wurde uns dann auf mexikanische Art und Weise mitgeteilt, dass wir so den Hafen nicht verlassen dürfen. Sie wollte aber noch mal nachfragen hat uns unsere Ausweise abgenommen und verschwand. Nach gefühlten 2 Stunden (in Echtzzeit ca. 15 min) kam sie wieder und hat uns eröffnet, dass wir zumindest den Schiffsnamen und die Unterschrift des Kapitäns bräuchten um den Hafen verlassen zu dürfen. Leider war unsere Pier die an Gegenüberliegenden Seite des Hafens-zu weit weg um dieser Aufforderung schnell nachzukommen. Also mussten wir wieder auf den Bus warten, der uns zum Schiff zurück bringen würde. Nach einer Stunde warten sind wir wieder zu der netten Dame um zu fragen ob den überhaupt noch ein Bus fährt. Ihre Aussage nach schon. Nach weiteren 30 min habe ich dann nochmal einen Hafenarbeiter gefragt. Da Feiertag war fuhr kein Bus mehr. Super – also mussten wir laufen; mittlerweile wurde die Zeit schon knapp (es war schon 19:15Uhr). Bis zum Landgangsende mussten wir ja wieder an Bord sein. Glücklicherweise hat mich einer der Behördenvertreter wiedererkannt und uns gefragt ob er uns mitnehmen soll. Zu Fuß hätten wir es nicht mehr pünktlich geschafft. Doch zu früh gefreut. Auf dem Weg zum Schiff mussten wir einen Bahnübergang passieren, da war auch ein Zug, ein sehr langer Zug, der leider genau über dem Bahnübergnag kaputt gegangen ist. Nach 10 min Warten, in denen ich mir schon überlegt habe zwischen den Waggons durch zu klettern, ist der Fahrer um den Bahnübergang herum gefahren. Keine 5 min vor Landgangsende waren wir wieder an Bord, nach einem kurzen Abendbrot (da unseres ja nicht wie gewünscht draußen stattgefunden hat), sind wir auch schon ausgelaufen.
In Houston kam wie immer eine Businessmann an Bord, bei dem man verschiedenste Dinge käuflich erwerben kann. Das ist super, da man im Hafen nicht bis zum Gate laufen darf und es keinen Shuttlebus gibt. Zuerst wollte ich nichts haben und hab dann später doch mal geschaut, was es so gibt. Nachdem ich mich entschieden habe doch was zu kaufen hat mein Wachmann den Verkäufer per sms darüber informiert. Leider wollte er erst am nächsten Tag mit der Ware wiederkommen. Er ist dann auch vormittags an Bord gewesen, viele haben was gekauft nur keiner hat sich getraut mir bescheid zu geben, weil es ja meine Schlafenszeit war -dummerweise auch die von meinem Wachmann sonst hätte er nämlich das Geld für mich ausgelegt. Also bin ich mit leeren Händen aus Houston raus.
Es sind noch viele andere kleine Dinge passiert, zum Beispiel war Crewwechsel in Houston. Unter anderem ist das komplette Galleydepartment ausgetauscht worden. In Houston gab es dann eine Proviantlieferung. Nach meiner Wache um 18:00Uhr hatte ich natürlich hunger. Es gab aber kein Abendbrot, da die neuen gerade mit dem Proviant beschäftigt waren und die alten nichts vorbereitet hatten. Die Zeit war sehr knapp und deswegen gab es auch keine Übergabe zwischen den Köchen. Nachdem also die neue Küchencrew den Proviant fertig gestaut hat sind sie zwar wieder hoch in die Galley und zu den Messen, wussten aber nicht wo Töpfe, Besteck, Teller und so weiter waren. Ein heilloses Durcheinander. Um 19:30Uhr gab es dann endlich eine Kleinigkeit zu essen. Ich hab dann auch gleich erzählt, dass ich kein Fleisch esse, mit dem Erfolg, dass es am nächsten Tag nichts für mich zu essen gab. Der Koch wusste nicht was er für mich kochen sollte. Mittlerweile hat sich das alles eingerenkt.
Ach da fällt mir ein, dass ich noch etwas aus dem letzten Bericht richtig stellen muss. Der Kapitän hat die Dolores nicht selber auf den Strand gefahren, es wurde in Singapor an Inder übergeben, die haben es dann zum Verschrotten gebracht.
Mittlerweile haben wir eine Woche Reede vor Santos hinter uns. Dort ist gerade Winter und somit Regensaison. Abgesehen davon herrscht da ein Schwell von 1-3m. Als wir dort waren, hatten wir keine Ladung und deswegen war unsere Stabilität nicht besonders hoch. Schwell und Wind kamen meist aus verschiedenen Richtungen, mit dem Resultat, dass sich das Schiff immer wieder aufgeschaukelt hat bis zu Rollwinkeln von über 20Grad zu jeder Seite. Schlafen und Arbeiten waren dadruch ziemlich erschwert, die Schiffsbewegunen waren ja nicht gleichmäßig. Das alles mit einer Rollperiode von 11s. (Haben nachgemessen). Da fiel schon mal die Salatschüssel vom Tisch oder der Mülleimer flog über die Brücke. Das ist jetzt vorbei, da wir wieder eine Charter bekommen haben. Mittlerweile sind wir im Rio de la Plata, dem riesigen braunen Fluss, der vor Buenos Aires entlang fliesst. Hier ist wirklich Winter. Nachts fällt das Termometer auf 7°C, tagsüber sind es im Schatten ungefähr 11°C. Dummerweise war ich nicht wirklich darauf eingestellt in kältere Regionen zu fahren (so wie viele andere auch), so muss ich jetzt das Schichtprinzip anwenden und mehrere Lagen übereinander tragen. In ein paar Tagen sind wir aber wieder in wärmeren Regionen. Es geht wieder Richtung Brasilien. Vor allem die Crew wird dann aufatmen, sind sie doch ein ganz anderes Klima gewohnt. Hoffentlich komme ich nochmal an Land – mein Süßigkeitenvorrat ist leer ;-) ! So, jetzt muss ich mich beeilen, damit die Mail noch mit dem Mittagsreport rausgeht!

Viele winterliche Grüße!
Julia

3. Tour zweiter Reisebericht

Dienstag, den 26. Mai 2009

Hallo zusammen,
jetzt bin ich einen Monat an Bord. es ist wieder Zeit für einen Reisebericht ;-) .
Die Zeit in Brasilien war ziemlich turbolent. In Brasilien war viel los. Der Aufenthalt in Suape war sehr kurz und die Hafenarbeiter waren sehr freundlich. nach dem Auslaufen war dummerweise das Hospital geflutet, weil jemand den Wasserhahn nicht komplett geschlossen hatte und das Ventil zum Abfluss zu war. Es musste also erstmal trocken gelegt werden. Natürlich kam der Naruf gerade dann als ich endlich unter der Dusche stand :-) ! Super Timing!! In Santos habe ich dann weil ich an meinem Geburtstag unbedingt in Rio sein wollte um telefonieren zu können zu Wachbeginn eine Bluse angezogen damit der Lotse kommt. Es hat gewirkt, wir haben den Anker gelichtet und sind dann während meiner Nachmittagswache eingelaufen. An meinem Geburtstag waren wir dann in in Rio Grande. Der Kapitän hat sein Versprechen wahr gemacht und ist mit mir an Land, natürlich erst nach meiner Wache. Ziemlich unorganisiert. Er hat den Agenten nicht gefragt wo man hin könnte oder wie man da hinkönnte, so sind wir zum Gate gelaufen, was wir auch nur gefunden haben weil ich die Hafenarbeiter gefragt habe. Dann hat glücklicherweise jemand vom Wachpersonal ein Taxi gerufen. Die Adressen die uns der Erste Offizier gegeben haben waren geschlossen, da Sonntag war. Die Straßen waren leer. Wir sind dann in ein Chinesisches Restaurant gegangen in dem wir die einzigen Gäste waren- ziemlich gespenstisch. Der Taxifahrer hat die ganze Zeit auf uns gewartet. Ich wollte danach gerne wieder zurück zum Schiff, schließlich hatte ich um Mitternacht ja wieder Wache, aber der Kapitän wollte noch in eine Bar. Der Taxifahrer sollte mit. Also sind wir noch zu einer Bar. Der Fahrer hatte nicht gefragt was für eine, sonst hätte ich eventuell so was wie Hard Rock Café gesagt. Naja, als wir angekommen sind fand ich es komisch, dass es dort Türsteher gab und ein Vorhang. Drinnen wusstem ich dann auch warum. Wir sind in einem Puff gelandtet in der eine Menge Seefahrer waren. Es sollte den Anschein eines Clubs machen und neben dem Tresen gab es eine kleine Tür in denen immer mal wieder Pärchen verschwunden sind. Der Analyse des Alten nach war ich ohne Landsmann in der Bar. Wobei eine Rosenverkäuferin kam aus Oldenburg (war aber auch schon um die 60 und hat Deutschland bestimmt schon seid über 30 Jahren nicht mehr gesehen). Ich war natürlich auch der einzige weibliche Gast, die anderen Mädels gehörten zum Inventar. Nachdem ich meine Cola ausgeschlürft hatte ging es dann endlich wieder zurück zum Schiff. Was für ein Abensteuer! Um 23:00Uhr waren wir dann an Bord.
Während meiner Wache sind wir dann auch schon wieder ausgelaufen und Richtung Navegantes (Itajai) gefahren. Dort haben die Hafenarbeiter sich reichlich eigenartig benommen. Sie haben diese Tanzkampftechnik an Deck gemacht und alle gegrölt wenn die verkehrten Laschmaterialien an die Container angebracht worden sind und der Container deswegen wieder an Land musste. In Paranagua lagen wir vor der Paranagua Express. Witzigerweise wurde dort dieselbe Funkfrequenz benutzt und man konnte hören, dass dort Deutsche an Bord waren. Irgendwann ging es um Landgang und dann wurde gesagt, dass sie die weibliche Stimme von nebenan mitnehmen wollten. Da hab ich mich in das Gespräch mit eingeklinkt. Zu dem Zeitpunkt war bei uns der Verdacht auf Schweinegrippe. Der Kapitän hat Fieber bekommen und sich sehr unwohl gefühlt. Wir mussten den Agenten informieren. Als der an Bord kam hat er die Gesundheitsbehörde angerufen und niemand durfte mehr von Bord. Also Gangway hoch und das kurz vor dem Schichtwechsel der Hafenarbeiter. Da haben dann ca. 20 Männer vor mir gestanden und wollten wissen was los ist. Mit meinem perfekten Portugisisch war das natürlich überhaupt kein Problem – Ich habe dann den Agenten gebeten die Situation zu erklären. Wir mussten auf den Arzt warten um klar zu stellen was los ist. Nach 2 Stunden kam er dann auch an Bord – total vermummt (hab leider kein Foto gemacht). Es stellte sich heraus, dass der Alte eine Rachenentzündung hat. Also durften dann alle wieder von Bord. Leider sind wir kurz danach von der Pier auf Reede gewechselt und ich konnte nicht mehr an Land mit den Jungs von nebenan. Bin nur noch kurz rübergelaufen um mal zu gucken wer das überhaupt ist. Wäre eine willkommene Abwechslung gewesen. 2 Praktikanten und der Erste Offizier. Nach 15 min musste ich wieder zurück weil der Lotse kommen sollte. In Santos haben wir jetzt Masken bekommen, die wir in den nächsten Häfen aufsetzen sollen, damit wir keine Schweinegrippe bekommen. Jetzt sind wir auf dem Weg nach Cartagena, am 27. sollen wir ankommen.

Stellt euch vor einen Abend, ich bin grad auf Kammer und wollte mich hinlegen, klingelt mein Telefon. Ein AB ist dran und fragt ob ich Spritzen geben kann. Er war im letzten Hafen beim Arzt weil er einen allergischen Hautausschlag hat. Der Arzt hatte keine Zeit und hat ihm einfach ne Spritze verschrieben, die er dann an Bord bekommen sollte. Tja, dann durfte ich runter ins Hospital und seinen Arm pieksen. Er hat überlebt ;-) ! Schon ein komisches Gefühl.
Gleich will ich runter und versuchen den Schlüssel für unsere Proviantlast zu bekommen. Mein Schokoladenvorrat neigt sich drastisch dem Ende und irgendwie steht in der Offiziersmesse kein Nutella. Außerdem will ich gucken was für Backzutaten wir haben, denn ich soll mal einen Kuchen backen. Abgesehen davon will ich auch gerne wissen was für Frpchte noch da sind und Säfte. Wir bekommen immer nur dasselbe. In Houston ist großer Crewwechsel. 8 Personen gehen, darunter auch das komplette Galleydepartment. Danach sind wir dann ein Altersheim. Die Personen die kommen sind bis auf eine Ausnahme in den 60ern und 50ern geboren. Wir sind dann nur noch 3 Personen aus den 80ern und ich bin die jüngste. Das kann ja heiter werden. Drückt mir die Daumen, dass alles gut geht! Vor allem dass sich die Stimmung hier an Bord verbessert!! Ach ja, der neue Kapitän hat die Dolores zum Verschrotten gebracht. Er ist dort als erster Offizier eingestiegen kurz nachdem ich dort runter war. Dann wurde er zum Kapitän befördert. Dann durfte er die alte Lady in Indien auf den Strand setzen. Das ist schon krass (mir fällt grad kein besseres Wort ein, dieser bericht ist sprachlich gesehen sowieso nicht besonders wertvoll..). Mal sehen wo er uns dann hinbringt – man darf gespannt sein!!
Also macht es gut!!
Viele sonnige Grüße vom Äquator!!
Julia

3. Tour erster Reisebericht

Sonntag, den 10. Mai 2009

Hallo zusammen!
Eigentlich wollte ich noch einen richtigen Abschlussbericht von der Reise auf der Alianca Patagonia, oder Fresena, abgeben, aber wie das Leben so spielt bin ich gar nicht erst dazu gekommen. Bevor ich noch mehr vorwegnehme lass ich die Reise auf der Fresena noch einmal Revue passieren. Anfang Februar bin ich in Salvador Brasilien eingestiegen. Das Schiff kam mir bekannt vor, weil mein erster Einatz als Offizier auf einem Schwesternschiff war. Das Fahrtgebiet, Ostküste Südamerika und Mittelamerika waren eine willkommene Abwechslung. Das letzte Mal bin dort 2003 gefahren. Also alles gute Voraussetzungen. Leider war ich zu Beginn des Einsatzes krank. Doch die Seereise von Brasilien nach Columbien war lang genug um die Mandelentzündung los zu werden. Die überfahrt war die längste seid 2006. Ich war begeistert. Wobei die ersten Tage an Bord immer gewöhungsbedürftig sind. Der erste Monat kam mir zwischendurch sehr lang vor, wusste ich doch, dass im 2. Monat eine Praktikantin kommen würde. Glücklicherweise war der erste Offizier derselben Meinung wie ich und hat seinem Nachfolger gesagt, dass sie bei mir auf Wache kommen sollte. Kurz bevor der Monat zuende war, mit einigen Enttäuschungen, die ich im letzten Bericht ja schon angemerkt hatte, wurde die Route geändert. Wir sollten nun nicht mehr runter bis Brasilien und hoch bis Mexiko, sondern nur noch zwischen Columbien und Venezuela hin und her fahren. Das war hart, denn die Überfahrt dauert nur 33 Stunden. In Venezuela lagen wir dann meist 5-8Tage an der Pier. Wann sollten denn die Sicherheitschecks gemacht werden und der damit verbundene Papierkrieg? Tja, die schiffsführung war sehr kulant und wir durften während der Ladungswachen, wenn mal wieder Pause gemacht wurde unsere Checks machen. Wir hatten eine Menge Spass und die Stimmung an Bord war super. Es hat uns Freude gemacht nachmittags Kuchen zu backen, oder an Land zu gehen um Brot, Feuerzeuge, Zahnpasta oder was sonst noch so benötigt wurde zu besorgen. Wir haben sehr viel gearbeitet und waren ein super Team. Gegen Ende des Monats wurde der Praktikantin dann ans Herz gelegt am Wochenende nicht mehr zu arbeiten, da sie sonst zu viele Überstunden hätte. Wir waren geschockt. Wir durften nicht mehr zusammen arbeiten? Das kam nicht in Frage, so hat sie ihre Freizeit damit verbracht meine Wachen zu versüßen. Schuld an der Situation war der Maschinenpraktikant, der Mitte des Monats eingestiegen ist. Seine Arbeitszeiten waren wesentlich weniger als die der Praktikantin. Das konnte sich der Kapitän nicht mit ansehen und wollte ihr etwas Gutes tun. Naja, wir haben das Beste draus gemacht. Der Abschied war traurig. Die Abschiedsparty war ein voller Erfolg und am Tag der Abreise sind die Jungs von Deck nochmal alle hergekommen um mein Gepäck herunter zu tragen und mir alles Gute auf dem Weg mitzugeben. Der Einsatz hat Spaß gemacht und die Überstunden haben uns nichts ausgemacht. Es war eine sehr gute Stimmung an Bord, wenn auch oft der Schlaf zu kurz kam. Meine Bewertung war super und somit konnte ich davon ausgehen meinen nächsten Einsatz dann als 2. offizier zu fahren.

Nach nur 18 Tagen ging es dann schon wieder los. Eigentlich waren 4 Wochen Urlaub eingeplant aber kurz nach Ostern kam dann ein Anruf, ob ich nicht schon am Anfang der nächsten Woche einsteigen könnte. Da mein Schatz schon vor Ostern wieder an Bord musste hab ich nicht lange gezögert und ja gesagt. Die Route war erst noch unbekannt, doch glücklicherweise habe ich sie dann doch noch vor dem Einsteigen mitgeteilt bekommen. Es sollte wieder Ostküste Südamerika und dann hoch bis zur USA werden. Das Schiff ist mir ebenfalls nicht ganz fremd, da ich meinen aller ersten Einsatz an Bord auf dem Schwesterschiff hatte. Ich bin dann also nach Houston geflogen um meinen ersten Einsatz als 2. Offizier anzutreten. Diesesmal ohne Praktikanten und ohne andere deutsche Besatzungsmitglieder und das für 4 Monate. Natürlich habe ich schon versucht die Praktikantin zu überreden von der Fresena zur Gallia zu wechseln ;-) ! Bei ihrer letzten Mail ist sie nicht darauf eingegangen. Mittlerweile bin ich knapp 2 Wochen an Bord. Der Anfang war schwer. Die Eingewöhnungsphase dauert auch noch an, aber mittlerweile komme ich mir nicht mehr als Außenstehende vor. Ich bin in Houston eingestiegen, gleich in der ersten Wache ist mir ein Patzer passiert. Das war mir natürlich sehr unangenehm. Es wurde nur mit einem Kran gearbeitet und ich hatte eine Frage zum veränderten Ladeplan und hab meinen Wachmann alleine an Deck gelassen. Während ich mit dem ersten geredet habe, wurde ein Lukendeckel geschlossen. Nachdem dann auch auf dem Lukendeckel fertig geladen war habe ich mir das genauer angeschaut. Dummerweise ist der Draht um einen der Schiffskräne zu laschen unter den Lukendeckel gerutscht. Er war nun eingeklemmt und der Bootsmann musste einen anderen Draht holen damit der Kran ordnungsgemäsß gelascht werden konnte. Das hört sich jetzt nicht so tragisch an, aber das bedeutet eine Menge Arbeit für die Jungs an Deck. Und das obwohl nur 1 Kran gearbeitet hat. Mein Wachmann hat gepennt und nur auf der anderen Seite der Luke geschaut nicht auf der wichtigen Seite, wo der Draht lag. Sehr unangenehm! Hab dann auch gleich einen auf den Deckel bekommen dass ich beim nächsten Mal besser aufpassen soll und dass das bei nur einem arbeitendem Kran echt nicht sein kann. Tja, super Start! Mittlerweile geht’s. Ich versuche wie eigentlich jedes Mal meine Arbeit zu machen und das ist auch bei der Schiffsführung angekommen. Es gibt auch schon eine nette Anekdote zu berichten. In jeder Kammer gibt es Schubladen und Schränke, die man abschliessen kann. Irgendwie ist der Schlüssel von meiner Kammer verloren gegangen. Ich konnte also nichts wegschliessen. Daraufhin habe ich angefangen nachzufragen, ob es nicht irgendwo noch diesen Schlüssel gibt. Gab es nicht. Dann ist der Kapitän auf die Idee gekommen ein Schloss aus seinem Schrank auszubauen und in meinem Schrank einzubauen. Gesagt, getan. Mit Schraubenzieher bewaffnet ist er dann hergekommen und hat die Schlösser ausgetauscht. Da bei meiner Schranktür das unterste Schanier gelöst war, hat er das auch gleich mit erledigt. Schon schön den Kapitän auf dem Boden hockend zu zusehen wie er meinen Kleiderschrank repariert. Nicht dass ich das nicht selber gekonnt hätte. Schon nett ;-) ! Der Kapitaen hat auch schon gekocht. Gefüllte Paprika nach landestypischer Art. Leider ist mir das Essen nicht so gut bekommen und den Nachmittag über bin ich nicht vom Lokus heruntergekommen. Abgesehen davon ist das mit dem Essen hier ganz gut. Mittags esse ich nur Brot, weil es ja mein Frühstück ist und Abends dann warm. So hat der Koch nur einmal pro Tag die Schwierigkeit etwas vegetarisches zu brutzeln. Der Steward ist immernoch etwas verwundert darüber, er meint, dass ich zu wenig esse. Er weiss nicht wie viele Süßigkeiten ich mit habe ;-) ! Heute ist der 1. Mai und es wird ein BBQ geben. Ich bin schon ganz gespannt wie das alles so aussehen wird.. Wir sind auf dem Weg nach Brasilien, Ende des Monats sollen wir dann wieder in der Karibik unterwegs sein. Eine Rundreise dauert ca 6-8 Wochen je nachdem wie das Wetter ist. Die momentane Charter ist aber nicht sicher. Dafür muss ich wohl etwas weiter ausholen. Also, das Schiff hier hatte einen Chartervertrag, der Ende Februar ausgelaufen ist. Da kein neuer Vertrag zustande kam, ist es auf Reede gebracht worden. So wie mittlerweile sehr viele Schiffe weltweit. Ja, die Finanzkriese ist auch in der Seefahrt spürbar. Nachdem ein Monat um war, hat die Reederei beschlossen das Schiff nach Emden zu überstellen, wo dann nur noch 2 Personen an Bord bleiben sollten. Der Elektriker und ein Hilfsmatrose. Die Route war schon geplant alles war vorbereitet. Am 2. April sollte es losgehen. am 1. April kam dann die Nachricht, dass noch bis zum 10. April gewartet werden soll. Naja und dann kam doch noch ein vorläufiger Vertrag zustande. Erstmal für 2 Monate, wenn alles gut läuft, dann länger. Mal sehen, wir sind alle sehr gespannt. Jetzt kommt ja noch die Schweinegrippe dazu. Bevor wir in die Häfen dürfen kommt ein Arzt auf Reede herausgefahren und untersucht alle nach Anzeichen der Schweinegrippe. Auf unserer geplanten Route liegen auch USA und Mexiko. Zum Glück dauert es ja noch einen Monat bis wir da sind. Mal sehen ob sich der Erreger bis dahin eindämmen lässt. Wir drücken die Daumen! Es ist ein großer Crewwechsel für Houston geplant. Das könnte sehr unangenehm werden für die Jungs. Wollen wir das Beste hoffen! So, das war es für heute. Das Hospital muss noch Brasilienfertig gemacht werden (vorzeigbar und gut durchorganisiert) danach will ich dem kapitän mal über die Schulter schauen was er heute zum Abendbrot zaubert ;-) ! Also macht es gut! Und ich freue mich über jeden Kommentar oder Gästebucheintrag!!
Liebe Grüße!!
Julia

2. Tour zweiter Reisebericht

Montag, den 23. März 2009

Hallo zusammen,
nachdem ich im letzten Bericht ausfuehrlich darueber berichtet habe wie meine Reise nach Brasilien verlaufen ist, jetzt ein paar Anekdoten vom Leben an Bord. Mittlerweil bin ich schon gute 6 Wochen hier auf der Fresena und habe ein paar teilweise denkwurdige und teilweise amuesante Dinge erlebt. Freitag der 13. hat fuer mich keine grosse Bedeutung, der Valentinstag wurde hier an Bord wesentlich mehr aufgebausct. Am besagten Fr ging eigentlich alles soweit ganz gut. Wir sind in Cartagena eingelaufen wo auch ein Passagierschiff lag, was bedeutet, dass sowohl Internetcafe als auch Souvenirshop geoeffnet waren. Durch Zufall habe ich mitbekommen, dass meine sogenannte bessere Haelfte heile den naechsten hafen erreicht hatte. Beschwingt bin ich in den Souvenirshop, wo die Preise mich leider umgehauen haben. Dann ging es zurueck an Bord. Nach mehreren vergeblichen Versuchen meinen Schatz zu erreichen habe ich beschlossen am naechsten Tag nochmal ins Internetcafe zu gehen um es ueber Skype zu probieren. Leider sollten wir schon gegen Mittag auslaufen. Netterweise hat der erste Offizier mir erlaubt kurz nach dem Fruehstueck mein Glueck zu versuchen. Ich bin schnell zum Internetcafe (welches im Hafen ist), dort wurde mir von einer Reinigungskraft mitgeteilt, dass ich mich noch ca. 15 min gedulden muesste. Sie ist in der Zwischenzeit einmal kurz in das Internetcafe gegangen und hat dann leider wieder abgeschlossen. Nach 20 min kam dann auch gluecklicherweise die verantwortliche Frau. In freudiger Erwartung bin ich dann auch zur Tuer. Als die Gute Frau die Tuer aufschliessen wollte ist dummerweise der Zylinder aus dem Schloss gefallen. Ich habe ihr den Zylinder gereicht und sie hat ihn dann wider in das Schloss gesteckt. Jetzt ging die Tuer nicht mehr auf. Alles Ruetteln hat nichts genutzt, ein Techniker musste her. Die Gute Frau ist also los um ein Telefon zu finden um den Techniker zu informieren. Nach ca. 10 min kam sie ohne Techniker zurueck. Nach weiteren 10 min sind zu meiner Erleichterung 2 Maenner zu uns gestossen. Der Techniker und ein Helfer. Eigentlich wollte ich ja nur kurz ins Internet um zu versuchen meinen Schatz zu erreichen und wollte nicht laenger als eine Stunde vom Schiff weg bleiben, schliesslich hatte ich ja Wache. Nachdem der Technicker, so wie schon 5 andere Personen vor ihm festgestellt hat, dass die Tuer nicht zu oeffnen war, wollte er gerade mit einem Werkzeug ansetzten die Tuer zu oeffnen, als er angerufen wurde. Das Telefonat hatte seinem GEsichtsausdruck nach zu urteilen einen zuckersuessen Inhalt. Das konnte laenger dauern. Ich musste also unverrichteter Dinge wieder zum Schiff zurueck. Wie es der Zufall wollte hat sich die Abfahrt nach hinten verschoben und ich durfte nach meiner Wache nochmal mein Glueck versuchen. Was soll ich sagen? Der Laden war immernoch, oder schon wieder geschlossen. Meine Stimmung war auf dem absoluten Nullpunkt. Dabei war doch gar nicht mehr Freitag der 13. ..
Es gab aber auch erfreulichere Hafenaufhalte. Mein erster Hafen zum Beispiel. Puerto Cabello in Venezuela. Es wurden boese Geschichten ueber diesen Hafen berichtet. Der vorherige Kapitaen und dessen Frau wurden 2 mal dort ausgeraubt. Zuerst wurde die Handtasche von Frau Kapitaen geklaut und spaeter dann die Kamera vom Kapitaen selber. Naja, jedefalls wollten der Koch und Messmann an Land gehen und Lebensmittle kaufen. Ich hab dann nachgefragt ob sie nicht ein paar Fruechte mitbringen koennten und schwupp die wupps wurde gesagt, dass ich doch mitgehen solle. Ich wurde von meiner Wache freigestellt um Lebensmittel zu kaufen. Es wurde sowieso nur mit 1 Gang geloescht und der Erste Offizier war wach, von daher wurde ich einfach an Land geschickt. Ich war ziemlich ueberrascht, sowas hatte ich nicht gedacht. An Land mussten wir zuerst mal zum Ausgang (Gate) des Hafens kommen. Netterweise hat uns ein LKW Fahrer mitgenommen. Draussen mussten wir dann Geld wechseln. Tja, wo kann man Geld wechseln? ALso draussen stand dran Photoshop, aber komischerweise durfte ich den Laden nicht betreten, es gab auch keine Fenster zur Strasse.. Der Koch war aber schon bekannt.. Von dort aus ging es dann zum Supermarkt. Mitlerweile habe ich herausgefunden, dass es doch auch besser sortierte Lebensmittelgeschaefte gibt. as Sortiment war etwas ueberraschend und sehr Lueckenhaft. Interessant war allerding das System vor den Kassen. ALso man hat seinen Einkauf im Wagen vor die Kasse geschoben und dann auf das Band gelegt. SO wie in Deutschland auch, aber dann hat man den Wagen wieder ins Geschaeft geschoben. Also nachdem der Wagen dann leer war, hat man einfach den Wagen hinter sich geschoben und kleine Jungs haben die dann im Geschaeft verteilt. Was natuerlich oft zu Stau und blauen Flecken fuehrt. Die gekauften Waren wurden dann von einem anderen kleinen Jungen auf mehrere Plastiktueten verteilt. Um 1130 Uhr waren wir wieder an Bord, ich hab mir dann noch schnell den Overall uebergezogen und die Wache dann um 1200 an den 2. uebergeben. Manchmal kann man an Bord auch verzweifeln. Wir sind nach Veracruz gefahren und die gesmate Crew hat sich gefreut, dass wir mittags ankommen wuerden, denn dann haetten alle an Land gekonnt. Es sah alles gut aus. Wir sind Vormittags dann in Rufweite gewesen und uns wurde mitgeteilt, dass wir erstmal auf Reede gehen sollen, da unsere Pier belegt sei von einem anderen Schiff. Dieses Schiff war erst grad auf dem Weg von der Reede zur Lotsenstation und somit war die gute Stimmung an Bord hin. WIr mussten also warten bis Abends. Gerade als die Reede erreicht wurde (das Gebiet wo man den Anker fallen lassen darf), mussten alle Schiffe Anker auf gehen, da heftiger Wind vorhergesagt wurde. Also mussten wir umdrehen und draussen driften. Dummerweise soweit weg von Land, dass man nicht mal mehr Netz hatte fuers Handy. Toll, das war also Mexiko. Wir sind dann gegen 2200Uhr fest gewesen an der Pier, die natuerlich auch an der vom Gate entferntesten Ecke sein musste. Es war Karneval, aber leider hatte der Shuttleservice nur bis 2400Uhr Dienst. ALso kein Landgang in Veracruz. So kann Seefahrt auch sein. Erstens kommat alles anders und zweitens als man denkt. Das naechste mal in Cartagena hatte der Internetshop und der Souvenierladen zu, denn es war Sonntag. So kann es gehen. Nach 4 Wochen ist die Praktikantin gekommen und seitdem sind wir auch im FeederService zwischen Cartagena, Columbien und La Guaira Venezuela unterwegs. Die beiden Haefen liegen nur 600sm auseinander, was bedeutet, dass wir ca. 33 Stunden zwischen den Haefen auf See sind. In diesen 33 Stunden muessen dann die Sicherheitsausruestungen in Stand gesetzt werden und, und, und. In Cartagena liegen wir maximal 24 Stunden und bekommen Proviant, Bunker und Ersatzteile. Muell wird abgegeben. Also sind alle ziemlich beschaeftigt. In La Guaira liegen wir mehrere Tage. Teilweise werden in 6 Stunden nur 30 Conatiner bewegt. Das ist ziemlich anstrengend. Nach der Wache machen die Praktikantin und ich Besorungen fuer’s Schiff (zum Beispiel 20 Tuben Zahnpasta, Feuerzeuge, Brot, Kuchen usw.), oder backen Kuchen. Wenn gerade keine Ladungsarbeiten sind, werden die noch austehenden Papierarbeiten und Sicherheitskontrollen gemacht. So fliessen die Tage nur so dahin. Abends fallen wir super muede ins Bett. E-Mail schreiben und telefonieren kommen viel zu kurz. Wir haben einfach keine Zeit, oder sind zu muede.
Jetzt geht es darum, dass meine Abloesung kommen soll, leider wurde der Flug meines Abloesers nach hinten verschoben und nicht nach vorne. Somit wird’s wohl noch eine weitere Rundreise dauern..
Eine Kleinigkeit ist mir noch eingefallen – zum Glueck kann ich ueber mich selber lachen.. Wir haben neue Crewmitglieder bekommen, die eine Sicherheitseinweisung brauchten. Die Praktikantin und ich sind also mit unseren 3 neuen ueber das Schiff gelaufen. Da wir auf See waren hatte ich nur ein Cappi auf. Auf dem Rueckweg von der vorderen Station zum Hauptdeck wollte ich dem Bootsmann, neben mir Platz machen. Das gab ein boeses Erwachen. Auf der vorderen Station gibt es auch eine Bay, diese Bay war nicht vollstaendig beladen, die aeusseren Stellplaetze waren frei. Es waren noch ein paar Spannschrauben an Laschringen befestigt. Zwei Spannschrauben hingen herunter. Die meistens koennen sich denken was passiert ist. Die Spannschrauben waren genau auf Stirnhoehe. Ich hab sie auf Grund meines Cappies nicht gesehen und bin dagegen gelaufen. Drei Tage Kopfschmerzen und eine blaue Stirn waren die Spaetfolgen. Ja, so kann es gehen. Jetzt heisst es Daumen druecken, dass ich noch diesen Monat aussteigen und in Deutschland ankommen werde. Schliesslich muss ich Ende April schon wieder einsteigen und haette schon gerne noch 4 Wochen Urlaub vorher.
Also, bis hoffentlich bald!!
Liebe Gruesse!
Julia

2. Tour erster Reisebericht

Montag, den 16. Februar 2009

Hallo zusammen,

es ist wieder soweit. Ich bin unterwegs auf einem Containerschiff. Der Taufname des Schiffes lautet Fresena, mittlerweile heißt die junge Dame aber Alianca Patagonia. (Das c wird nicht als ‘k’ ausgesprochen, sondern als ‘z’ das hat mir der Halbbrasilianer im Flieger mitgeteilt.) Das Schiff ist ein Schwesterschiff von dem Foto welches oben rechts zu sehen ist – das mit dem schlechten Wetter. Wir fahren in Mittel- und Südamerika. Leider war ich zu Beginn der Reise krank und musste dann unter Einfluss von Antibiotika meinen Dienst antreten. Glücklicherweise wurde in der ersten Wache unter meiner Obhut keine Lade- und Löschtätigkeit vorgenommen – wir lagen nur so an der Pier. Jetzt aber von Anfang an.
Mein Flug wurde umgebucht auf Sa morgen 0600Uhr. Deswegen habe ich mein Gepäck schon am Fr Abend zum Flughafen gebracht. Am Schalter habe ich sogar vorsichtshalber noch nachgefragt ob vegetarisches Essen bestellt wurde. Eigenlich hätte es mich stutzig machen müssen, dass es darauf keine Antwort gab. Aber die gute Frau wollte dass ich das Übergepäck bezahle. Glücklicherweis konnte ich beweisen, dass ich wirklich zur See fahre und deswegen statt der normalen 20kg 40kg mitnehmen durfte. Wobei ich die bei weitem nicht erreicht habe (trotz Schokoladenvorräten für mehrere Monate). Abgesehen davon hatte ich etwas Angst, dass am nächsten morgen gesagt wird, dass mein Handgepäck  zu groß sei. (Ein total klasse Trolley, in dem ich wirklich eine Menge untergebracht habe) Am Samstag ging dann die Reise los. Erstmal nach Frankfurt, das kannte ich ja schon. Eigentlich bin ich davon ausgegangen dass 80min vollkommen ausreichen würden zum Umsteigen. Hatte nicht damit gerechnet, dass wir auf einer Außenposition landen würden,nachdem wir eh schon 20min Verspätung hatten. Somit war der geplante Kaugummikauf in Frankfurt geplatzt. In der Schlange vor der Sicherheitskontrolle habe ich dann meinen Mut zusammen genommen und einen Herren gefragt, ob ich vor dürfte, da mein Boarding schon begonnen hatte. Er meinte dass jeder dieses Problem hätte. Später hat mich dann ein amerikanisches Ehepaar vorgelassen, als ich dann wirklich schon leicht panisch wurde. Natürlich musste ich dann noch meinen Trolley öffnen, da mein Karaokemikrofon dort drin war und dieses auf dem Bildschirm komisch gewirkt haben muss. Somit waren die Amis doch schneller durch als ich.. Kurz bevor dann meine Reihe aufgerufen wurde bin ich dann auch am rcihtigen Gate angekommen. Später habe ich dann festgestellt, dass sie auch noch auf mich gewartete hätten – ein Ehepaar kam mit Verspätung, erst danach ging es los. Im Flieger musste ich dann feststellen, dass über meinem Sitz keine Gepäckablage war, dort wude die Rettungsrutsche gelagert. Und wohin mit meinem Trolley? Bloß nicht vor mir, wie hätte ich das 11,5 Std aushalten sollen? Völlig entnervt hab ich dann den Mann in der Reihe hinter mir geragt, ob er den Trolley auf der anderen Seite im Gang in die Gepäckablage legen könnte. Hat er dann auch gemacht – nun bestand die Gefahr, dass die blöde Ablage nicht mehr zuguing. Hat dann aber später alles geklappt. Hinter mir saß ein total niedlicher kleiner Halbbrasilianer, so um die 5 Jahre. Timothy. Neben mir die 10 Jahre ältere Version. Der Flieger war gelinde ausgedrückt eng und voll. Der Blick auf den Fernseher wurde durch die Ablage über mir gestört. Es gab keine Nüsse – für die hätte man zahlen müssen. Timothy konnte nicht schlafen – ich deswegen auch nicht. Denn um seinen Frust abzulassen hat er entweder gegen meinen Sitz getreten oder geschlagen. Immer abwechselnd. Daran kann man gut erkennen, wie eng der Flieger war – er kam ohne Probleme an meinen Sitz ran, auch wenn er angeschnallt war. Nach 8 Std hab ich dann mal böse nach hinten geguckt, dann war für 5 min Ruhe – herrlich! Abgesehen davon war es laut – sehr laut im Flieger. Brasilianer schließen schnell Freundschaften und zelebrieren dies lautstark. Es war der längste Flug meines Lebens.  Dazu kommt noch der Schock bei der Essensausgabe – obwohl ich extra noch angerufen habe und mir die Reederei es auch nochmal bestätigt hat. Es gab kein Essen für mich. Ich hätte eine schriftliche Buchungsbestätigung gebraucht. Es war nicht zu fassen. Da man auch die alkoholischen Getränke bezahlen musste – konnte ich nichts gegen meinen Frust tun. Zumindest kam das Gepäck mit und ich habe bei der Einreise alles richtig gemacht und die Behörde gefragt ob ich denn alles richtig ausgefüllt habe weil ich doch hier anfange zu arbeiten. Es war schon vorgesorgt und ich habe ein paar Zettelchen in die Hand gedrückt bekommen. Sogar mein Fahrer war da. Sein Englisch beschränkte sich allerdings auf ein paar Worte: I will bring you to the hotel. Dafür konnte der Mann am Telefon Englisch und hat mich auch gleich mit Honey bezeichnet. Das Hotel glich eher einer Jugendherberge. Mit verschimmelter Badezimmerdecke. Egal, ich war da. Es gab auch ein bissl w-Lan aber nur ganz schwach und nach 15 min (wobei ich ca. 2 Stunden lang versucht hab zu verbinden) war es das auch schon mit dem w-lan. Am nächsten Morgen hab ich dann gefragt wie viel es denn kostet, wenn ich mich in das verschlüsselte w-Lan vom Hotel einlogge. Es war kostenlos. Manchmal ärgere ich mich ja über meine Schüchternheit. Egal ich wurde ja erst um 16:00Uhr abgeholt.
Das Schiff hatte eine Stunde verspätung also habe ich versucht von dem Fahrer etwas Portugisisch zu lernen – war spannend. Danach an der Pier stehen und warten, dass die Behörden kommen – vorher durften wir ja nicht an Bord. Bis die angerufen haben um zu sagen, dass sie nicht kommen. Mittlerweile war es 18:00Uhr. Nach kurzem Hallo ging es um die Kammerfrage 15 min später war ich beim Abendbrot. Die Ladungsarbeiten sollten erst um 01:00Uhr losgehen. Mein Vorgänger sollte um 21:00Uhr abgeholt werden. Leider hat er mir nichts zu trinken dagelassen was ich ihm ehrlich gesagt etwas übelnehme, da ein Tag vorher noch Slopchest war und er ohne Probleme noch hätte Wasser kauen können. Nach der Übergabe bin ich dann auf meine Kammer und habe bis Mitternacht standby an meinem Walki-Talki gehangen. Dankbar für die Pause, da ich durch die Mandelentzündung immernoch mitgenommen war. Morgens um 0600Uhr ging es dann los mit Ladungswache. Gegen  10 Uhr sind wir dann ausgelaufen. Zu meiner Überraschun g wurde der 2. Offizier nicht geweckt und ich habe stattdessen die achtere Manöverstation übernommen. Vorne hat der Bootsmann das alleine gemacht. Danach hieß es erstmal schön 6 Tage Seereise. 6 Tage Zeit um das Schiff kennenzulernen und schon ein paar Sicherheitschecks zu machen. 6 Tage Zeit gesund zu werden. Dummerweise auch 6 Tage den ersten Offizier zum Abendbrot ablösen, da es Wochenweise geregelt wird hier und wir dummerweise an einem Montag ausgelaufen sind.
Mittlerweile haben wir Venezuela überstanden und sind auf dem Weg nach Columbien, aber dazu mehr in meinem nächsten Bericht  ;-) !

Liebe Grüße,
Julia

Fünfter Reisebericht

Donnerstag, den 18. Dezember 2008

Wie der Vertrag zuende gegangen ist:

So, mittlerweile bin ich wieder an Land, möchte aber nicht vergessen zu schreiben wie der Vetrag dann noch zuende gegangen ist. Ich habe das Schiff auf Reede verlassen und zu dem Zeitpunkt stand auch noch nicht fest wie die nächste Route aussehen sollte. Bis zum Ende ist nicht der Draht gekommen, der benötigt wird um die Feuerlöschschläuche ordnungsgemäß mit den Kupplungen zu verbinden. Zwischendurch gab es nicht viel spannendes zu berichten. In den gut 3 Wochen auf Reede ist ein Serviceboot gekommen, welches die CO2-Flschen mitnehmen solle für die Hydro-Tests. Ein Polizeiboot wollte 500$ haben, damit die Männer weiterarbeiten dürfen. Diese wurden aber nicht gezahlt, dafür haben wir dann unsere Sicherheitswachen an Deck in der Form verstärkt, dass der Wachmann öfters den Offizier über die Situation an Deck informieren sollte. Der Melaminskandal hat auch vor uns nicht halt gemacht und alle Milchprodukte aus China mussten entsorgt werden – natürlich war ein großer Teil unserer Milchprodukte aus China.. Aber es dürfte keiner zu Schaden gekommen sein. Zwischendurch wurden auch mal Zweifel gesät, ob auf Reede auch abgelöst werden darf, oder ob alle bis zur neuen Charter an Bord bleiben müssen. Die Jungs an Deck haben ganze Arbeit geleistet und man sieht der alten Dame zumindest auf dem Hauptdeck die 23 Jahre nicht mehr an. Der Elektriker und der Erste haben mit erwartungsvollen Augen jeden Morgen den Kapitän begrüßt um zu erfahren wann nun endlich die Ablösung kommen sollte. Nachdem die Flugdaten vom Elec und mir schon feststanden kam dann die traurige Nachricht für den Ersten. Er musste noch mind. eine Woche länger warten. Das hat ihm nicht geschmeckt. Die Jungs haben einen Tag bevor ich abgereist bin noch eine Party geschmissen. Zur Feier des Tages wurde dann auch eine Sahnetorte aufgetaut. Am Tag der Abreise gab es auch endlcih wieder frischen Proviant, unsere Gemüselast war bis auf ein paar Auberginen leer.Es gab auch weder Fisch noch Schweinefleisch – nur Reis war noch genügend da.. Somit hatte die Abreise für die Crew auch sehr positive Effekte – es gab wieder etwas Abwechslung auf dem Speiseplan. Von Singapor ging es dann wieder nach Deutschland. Alles in einem ein Vertrag, der es in sich hatte.

Liebe grüße

Julia

Hier sieht man,dass die Sonne auch den Filipinos zu schaffen macht, aber an Bord gibt es so gut wie kein Problem was nicht gelöst werden könnte.

Hier sieht man,dass die Sonne auch den Filipinos zu schaffen macht, aber an Bord gibt es so gut wie kein Problem was nicht gelöst werden könnte.

Vierter Reisebericht

Donnerstag, den 18. Dezember 2008

Hallo zusammen! 15.09.08

juhuu, wir haben die Inspektion überstanden *freu*. Naja, es gab ein paar kleine Mängel, aber für die konnte ich nichts! Aber jetzt erstmal von Anfang an. Beim letzten Bericht lagen wir vor Madras auf Reede. Dort lagen wir ca. 2 Tage, bevor es dann natürlich mitten in der Nacht losgehen sollte an die Pier. An den Tagen auf Reede hab ich versucht soviel wie möglich noch zu schaffen für die Inspektion und hab dann natürlich erst beim Abendbrot erfahren, dass wir nachts reingehen sollen. Wie immer :-) ! Was ich nicht mit eingerechnet hab war die Nervosität des Schiffsführers. Kaum war der Anker aus dem Wasser wurde auch schon für Standby gerufen, dabei waren wir noch mehrere Meilen von der Lotsenstation entfernt. Auch nach mehrfachem nachfragen wurde vorne auf der Station werder das Licht angemacht, noch konnte gesagt werden, welche Seite wir längsseits gehen sollen. Nach einer geschlagenen Stunde auf Standby vorne kam dann auch endlich der Lotse und wir konnten die Leinen vorbereiten. Der Hafenkapitän war so intellegent uns so an die Pier zu bitten, dass die Container, die ganz vorne geladen waren nicht gelöscht werden konnten, weil die Kräne nicht soweit ans Ende der Pier fahren konnten.. dazu später mehr. Nachdem wir uns also die Nacht um die Ohren geschlagen haben, durften wir dann ja noch ganz normal die 12 Stunden Wache gehen, die im Hafen eben anfallen. Dazu kam noch, dass natürlich alle an Land wollten, es sollte ja das letzte Mal Indien sein und keiner wusste wie lange wir bleiben sollten. Überraschenderweise durfte die Praktikantin tatsächlich Ladungswache mit mir gehen und hat zwar nur knurrenderweise aber immrhin die Erlaubnis bekommen nachmittags mit mir an Land gehen zu dürfen. Die Rechnung dafür kam am übernächsten Tag. Am 2. Tag in Chennai wollten wir eigentlich nur noch einmal kurz für 2 Stunden an Land, da der Kapitän sich schon einen Fahrer beordert hatte sind wir dann mit ihm mit. Doch erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt. Der Fahrer hat uns 45 min warten lassen, als wir dann endlich unterwegs waren hat uns der Kapitän eröffnet, dass er zum Arzt muss uns aber vorher rauslassen würde, dummerweis hat das der Fahrer nicht mitbekommen, nach 3 Telefonaten war das dann endlich durchgesetzt. Wir wollten uns dann in 2 Stunden wieder an der selber Stelle treffen. Gesagt getan, nur war unser Schiffsoberhaupt nicht im Wagen, er wäre noch beim Arzt.. so langsam drängte die Zeit – eigentlich wollten wir ja nur kurz an Land, nun mussten wir befürchten,dass es kein Dinner mehr vor der Wache geben würde.. Wir mussten natürlich auch erst noch zur Apotheke bevor es zurück an Bord ging.. Naja, zum Glück haben wir es noch rechtzeitig geschafft vor der Wache anzukommen. Auf dem Rückweg von Indien nach Malaysia gab es dann noch Sicherheitsdrills. Die Praktikantin ist mittlerweile bei mir auf Wache.

Das Timing vom Ertsen passt nicht so ganz, er hat immernoch nicht die neuen Boxen für die Feuerlöschsxchläuche gewechselt, was er ja eigentlich gleich nach Erhalt der Boxen machen wollte.. die in der Maschine hängen schon seid 2 Wochen.. So, jetzt endlich zur Inspektion :-) ! In Singapore angekommen – natürlich außerhalb meiner Wache, hieß es warten – nicht gerade meine Stärke. Es hat auch nicht allzulange gedauert, da durfte ich dann schon Unterlagen ins Kapitänsbüro bringen. Nachdem ich mir dann irgendwann den Overall ausgezogen und normale Klamotten angezogen habe ging es dann natürlich auch für mich los. Eigentlich wollte ich nur wieder ein paar Ordner abgeben und mich dann wieder verkrümeln, aber das war da nicht mehr möglich. Ich sollte mich setzen und Rede und Antwort stehen, danach gin es auf die Brücke. Der 2. Offizier wurde dann noch dazu geholt (was ich vergessen habe zu erwähnen, während dieser Zeit waren insgesamt 2 verschiedene Firmen für Inspektionen an Bord, Löschoperationen an Deck wurden durchgeführt, Ersatzteile und Proviant wurden angeliefert, Frischwasser wurde angenommen und Diesel, Schweröl und Sludge wurden gebracht bzw. abgegeben – im Klartext: alle waren beschäftigt, keiner hatte Zeit für irgendetwas, der Crewwechsel wurde fliegend durchgeführt, sowohl Ein- als auch Aussteiger mussten mit anpacken.) und der ganze Betrieb musste am laufen gehalten werden. Eigentlich hätte ich um 18:00Uhr die Ladungswache antreten müssen das ging aber nicht, weil der Inspektor dann mit mir über das Schiff gehen wollte. 2 stunden lang hat er mich über das Schiff gejagt und mich auseinandergenommen, wobei viele Dinge angesprochen wurden, die nicht in meinem Bereich fallen, zum Beispiel dass die Laderäume auf Grund fehlender Gummidichtungen an den Lüfterklappen nicht Wetterdicht verschlossen werden können (wobei an diesen Stellen noch nie Gummidichtungen waren und das Schiff ist immerhin schon 23 Jahre alt und diese Inspektion war bestimmt nicht die erste – komisch das sowas nicht vorher schon bemängelt wurde) usw. usw. Ich wußte schon gar nicht mehr wo mir der Kopf steht. bezeichnend war, dass er etwas bemängelt hat, was ich gleich zu Beginn meines Einsatzes bemängelt habe und was der erste nicht ändern wollte – nun muss es doch gemacht werden hah! Auf Grund von Personenmangel, es waren ja alle beschäftigt, musste ich alleine mit dem Inspektor über Deck, anstatt mich zu begleiten ist der Erste an Land gegangen, angeblich um Freon für unsere Klimaanlage zu kaufen (gibt es bestimmt im Supermarkt oder in der Mall – hab ich letztens auch beim Discounter im Sonderangebot gesehen – dass ich nicht lache). ALLE haben Überstunden geschoben und sich Mühe gegeben den Betrieb am Laufen zu halten und er geht an Land. Dann hat er sich an Land den Fuß verknackst – nennt man das ausreichende Gerechitigkeit? Schön war dann auch der Kommentar vom Ersten: Du hast die Inspektion ja bestanden, sind ja nur Kleinigkeiten bemängelt worden. Ich hab nur geantwortet: DAS SCHIFF hat der Inspektion standgehalten. Ach ja, die lieben Vorgesetzten – die Glocke ist übrigens noch nicht fertig *grins*. Er hat ja noch einen Monat das zu schaffen..wobei, eigentlich würde er ja viel lieber früher aussteigen..

Mittlerweile sind wir auf Reede vor Singapore und warten auf Informationen über unsere neue Route und unseren neuen Charterer. Endlich können wir etwas entspannen. Leider sind wir soweit weg von Land, dass kein Shuttleservice zur Verfügung steht.. Der Erste wird von Tag zu Tag kleiner, die Übergaben werden immer kürzer, wenn er gute Wache sagt ist das schon viel. Die Praktikantin wird von mir gut beschäftigt und wir versuchen die Schiffsführung bei guter Laune zu halten. So haben wir zum Beispiel gestern was für’s BBQ vorbereitet, welches heut Abend stattfindet und passend zum Maiskolben gestern Abend auch noch kräuterbutter. Hat der Kapitän doch gestern Mittag gekocht – sogar Fisch, den konnte ich auch essen – war wirklich lecker! So kann der Vertrag gut zu Ende gehen, aber wer weiß was da noch so kommt. Immerhin weiß ich jetzt, dass meine Bemühungen das Schiff auf Vordermann zu bringen Früchte getragen hat – ein super Gefühl! Da hat sich die Mühe gelohnt!
So, jetzt reichts langsam mit meiner Schreibwut, ich hoffe ich konnte euch zu ein paar Kommentaren verleiten.. Bis hoffentlich bald!!
Julia

PS:Bitte, dies gilt auch für die vorherigen Berichte, nicht die Schreibfehler beachten. Meist schreibe ich die Mails in Eile oder nach einem langen Arbeitstag oder wenn ich mal 5min Zeit hab, da fliegen die Finger nur so über die Tasten und abgesehen davon sind meine Gedanken dann
schneller als meine Finger, somit sind die Bericht nur so übersät von Fehlern.. Ich bin mir dessen bewusst, hab aber meist nicht die Zeit alles nochmal durchzulesen und zu korrigieren – ich bitte also um nachsicht :-) !

Dritter Reisebericht

Freitag, den 5. September 2008

Hallo alle zusammen,

hier ein paar Neuigkeiten von Bord. China liegt schon lange wieder hinter uns. Diesesmal ging es nach Qingdao und danach nach Shanghai. In Qingdao ist normalerweise gerade Nebelzeit, da aber für die Olympischen Spiele ‘Wettermacher’ benutzt wurden, war kein Nebel da und wir konnten direkt den Lotsen nehmen. Die Liegezeit war so kurz bemessen, dass wir keine Landgangstickets bekommen haben. Danach ging es weiter nach Shanghai. In Shanghai durfte dieses Mal auch keiner an Land, weil wir im ersten chinesischem Hafen ja keine Landgangstickets bekommen haben – diese Chinesen.. somit war natürlich die Hälfte der Besatzung mies gelaunt.
Naja, dafür haben die Hafenarbeiter uns ein Abschiedsgeschenk gemacht und alle Container ordentlich gesichert und das übrig gebliebene Laschmaterial eingesammelt, sie waren sogar eine Stunde bevor der Lotse kommen sollte fertig. Und das während meiner Wache, ich war richtig begeistert, wo ich doch zu Beginn der Wache nicht wusste, wie ich die Wache überstehen sollte, vertrag das Essen hier nicht. Eigentlich sollten wir von Shanghai aus nach Shekou fahren, doch der Hafen wurde glücklicherweise gestrichen und wir hatten dann doch eine längere Seereise. Die chinesischen Wettermacher hatten nicht die Macht den Taifun abzuwenden und so ist er dann doch über Hong Kong gezogen, was unser Glück war, denn sonst hätten wir abwettern müssen. So hatten wir nur ein Tag Wellen von bis zu 4m und Windstärken um die 7 Bft. Alles von vorne und somit gut zu ertragen.
Einen tag vor Singapore wurde dann der Geburtstag vom Messman gefeiert, ich hatte versprochen mal kurz vor der Wache vorbeizuschauen. War ganz Ok, hier an Bord gibt es eine Nay bee Bar, das ist der Crewtagesraum, dort ist eine Bar, ein Fernseher und eine Gitarre. Netürlich wurde dann die Karaoke Anlage in Betrieb genommen und schaurig schöne Lieder angestimmt :-) . Ich durfte dann auch mal ran, bzw. wurde ich so nett darum gebeten, dass ich auch ein Lied zum Besten gab. Nachdem ein Matrose dann mehr Punkte bekommen hatte als ich bin ich dann hoch auf Brücke, gearbeitet werden muss ja trotzdem.
In Singapore angekommen hieß es dann wieder abschiednehmen, dieses Mal vom Kapitän. Das war nicht so einfach, wusste man doch nicht wer da kommt. In Singapore ist dann auch die neue Praktikantin zu uns gestoßen und somit wieder etwas mehr Leben. Leider war sie gleich am nächsten morgen out of order, und erstmal nicht mehr Einsatzfähig, das hat sich dann glücklicherweise nach einem Tag wieder gebessert. Mittlerweile ist sie voll in Beschlag genommen worden von der Sicherheitsinspektion die bald ansteht und hilft mir bei der Instandsetzung einiger Dinge. Das ganze Schiff wurde leider angesteckt von der Nervosität vor der Inspektion und die Stimmung ist sehr gereizt. Dummerweise bin ich ja für die Indstandsetzung der Sicherheitsrelevanten Geräte zuständig und darf mir dann die Beschwerden anhören. In Singapore sind Ersatzteile für mich eingetroffen und ich muss zusehen, dass alles vor nächstem Mal Singapore in Ordnung ist, was praktisch unmöglich ist, da ich ja 8 Stunden Wache gehe und die Sicherheit nur Nachmittags machen kann.
Zudem sind einige Dinge in anderer Form gekommen als geplant. Ja, die Sorgen und Nöte eines 3. Offiziers. Bis jetzt ist auch noch keine Information über einen neuen Charterer gekommen und somit auch keine Information über eine neue Route. Okay, natürlich muss erstmal die Inspektion überstanden werden, aber man ist ja schon neugierig was danach kommt. Hoffentlich entweder eine lange Seereise oder wenigstens schöne Häfen.
Ich sitze gerade auf der Brücke, wir liegen auf Reede, ein Radar ist kaputt, der Brückencomputer spinnt, der Draht den mir der erste gegeben hat um die Kupplungen mit den Feuerlöschschläuchen zu verbinden ist viel zu dünn, draußen sind im Schatten 35°C, die Klimaanlage kommt nicht hinterher und bis vor kurzem war auch noch eine Brückentür auf, weil der erste eigentlich hoch kommen wollte um mit einem Schleifgerät die Schiffsglocke zu polieren und draußen keine Steckdose ist. Alles in allem ein gelungener Tag, oder?
Auf dem Brückencomputer sind alle Dokumente, die ich brauche für die Sicherheit und natürlich auch zur Einklarierung. Auf diesem Schiff hat der dritte offizier sowieso nicht so viel zu tun, ist auch auch keine 22 Jahre alt und alle Sicherheitseinrichtungen funktionieren einwandfrei, nein, die Klarierung mache ich auch noch. Und das nennt man Urlaub, von wegen 3 monatige Kreuzfahrt in Asien, ich steh nicht so auf Abenteuerurlaub.. :-)
Zum Glück kann ich für die meisten Sachen nichts und somit brauche ich mir auch nichts vorwerfen zu lassen. Jetzt nocham das ganze und zwar ca. 8 Stunden später, das Temperament ist heut früh mal wieder mit mir durchgegangen. Also, das mit dem radar ist vor 4 Monaten schon mal gewesen und der PC auf der Brücke funktioniert auch wieder. Heut wollte ich die leeren Preßluftflaschen auffüllen und hab festgestellt, dass sie noch voll sind. Danach wurden alle Masken kontrolliert und gereinigt. Vorher gab es noch einen Abstecher in die Maschine auf der Suche nach dem Draht den ich ja brauche um die Feuerlöschschläuche in Ordnung zu bringen – Fazit: haben wir nicht. Jetzt steht klein Julia vor einem Problem, ein schlauch ist nämlich kaputt, na dann muss der wohl solange warten bis Draht kommt.
Morgen geht es dann zur Abwechslung mal wieder ins Rettungsboot, noch die letzten Änderungen vornehmen und danach werden ein paar von den Schlauchkästen ausgetauscht. Die Glocke wurde übrigens am Nachmittag weiter bearbeitet. Na, immerhin wir die wohl fertig sein wenn der Erste aussteigt.. Drückt mir bitte die Daumen, ich träume von ein paar Tagen (schon 2 stellig an der Anzahl) auf Reede vor Singapore, schön mit Shuttle Service an Land, das wäre klasse. So, jetzt heißt es die Berichtigungen der nautischen Publikationen vornehmen, die werden in Singapore wohl auch noch kontrolliert. Also, alles in allem ist es so wie immer: Ansichtssache.

Viele Grüße!
Julia

Zweiter Reisebericht

Donnerstag, den 14. August 2008

So, hier mal wieder eine kleine Übersicht über mein Leben an Bord:

Hallo zusammen, da es ja schon wieder 2 Wochen her ist, dass ich geschrieben habe wird es jetzt mal wieder Zeit. Mittlerweile habe ich die erste Rundreise hinter mir. Eine Rundreise auf diesem Schiff gleicht keiner anderen, es werden immer wieder Häfen gestrichen oder hinzugefügt. Meine erste Rundreise ging von Port Kelang Nord, nach Port Kelang West (die Häfen liegen nur 45min auseinander und gehören zur selben Stadt.) Diese beiden Häfen wurden während der Übergabe abgehandelt, was bedeutet, dass ich in North Port an Bord gekommen bin und meine Kollegin in Westport ausgestiegen ist, teilweise sind sogar dieselben Hafenarbeiter dabei das Schiff abzufertigen (sicher bin ich mir nicht, aber das Gefühl ist sehr stark). Danach ging es ja nach Shanghai. Leider war das der absolute Reinfall. Eigentlich wollten die Praktikanten und ich an Bord um uns Shanghai anzugucken, die Fahrt vom Hafen aus hätte ca. 50$ hin- und zurück gekostet und auch bestimmt jeweils eine Stunde gedauert, der Hafen ist sehr weit weg von der Stadt. Soweit sind wir gar nicht erst gekommen. Erstmal sind wir außerhalb meiner Wache eingelaufen und ich hätte nachdem wir fest waren nur noch 3 Stunden gehabt bis ich wieder loslegen musste. Dann kam auch noch nach der Gesichtskontrolle die Polizei an Bord und wollte die beiden Frauen sehen, weil ihnen zu Ohren gekommen sei, dass hier an Bord 2 davon wären. Wir standen sowieso grad an Deck, somit war der Part schnell erledigt. Danach wurde nach einer weiteren Crewliste verlangt und darauf hingewiesen, dass wir doch bitte beim nächsten Mal eine Crewliste bei der die Geschlechter aufgeführt werden aushändigen sollen. Später hat dann der Agent mitgeteilt, dass wir Frauen nicht alleine den Hafen verlassen dürfen. Eine Frechheit, die haben uns nicht geglaubt, dass wir Offizier und Praktikantin sind, statt Betthüpferl.. Naja, zum Glück haben wir das erst später erfahren und der Agent ist dann auch nicht mehr an Bord gekommen.

Die Hafenarbeiter hatten es ziemlich schwer mit uns im Hafen, wir waren nicht mit der Beladung zufrieden und schon gar nicht mit der Ladungssicherung, so ist das Schiff auch erst 2 Stunden nachdem der Lotse an Bord war ausgelaufen. Abgesehen davon, dass es uns die Behörden auch nicht einfach gemacht haben, die Polizei war insgesamt 4 mal an Bord, weil es einfacher ist aus dem Hafen rauszugelangen als wieder herein. Die Crew hatte keine Pässe mit und am Gate wollten die Herren sich nicht mit den Landgangstickets zufrieden geben, so wurde ein Teil mit der Polizei zum Schiff gefahren wo anhand einer Crewliste bewiesen wurde, dass sie tatsächlich von hier waren. Der restliche Teil hatte dann etwas mehr Glück und musste nicht erst 45min mit den Behörden verhandeln. Somit waren alle froh, als wir endlich die Leinen los hatten und uns wieder auf den Weg nach Port Kelang machten. Diese Freude hielt bei einigen nur solange an, bis der Südwestmonsun anfing mit uns zu Spielen. Wir hatten Windstärke 8 und dazu Schwell von bis zu 5 m. Das reicht aus um das Schiff ordentlich ins Rollen und Stampfen zu bringen. Nach 6 Tagen waren wir dann wieder in Port Kelang. Hier kann man sich auf nichts verlassen. Ist das Schiff fertig, kommt der Lotse nicht. Kommt der Lotse früh, ist das Schiff noch weit davon entfernt fertig zu sein und alles verspätet sich. Einmal heißt es wir gehen direkt in westport an die Pier und dann liegen wir doch ca. 10 Stunden auf Reede und niemand weiß wann es weitergeht. Schon spannend. Abgesehen davon ist Port Kelang einer der anstrengendsten Häfen weil man dort relativ günstig telefonieren kann :-) !

Von Malaysia aus ging es dann Richtung Indien. Eigentlich wurde mit rauer See gerechnet, aber im Endeffekt war das Wetter nicht einmal halb so schlimm wie vorher auf dem Weg von China nach Malaysia. Dafür war der Hafen schlimm – alles gleicht sich irgendwie aus :-)! Zu Beginn unseres Aufenthaltes in Indien sah es noch so aus, als ob diesmal Shanghai der schlimmste Hafen werden würde, die Hafenarbeiter haben brav das getan was sie sollten, der Landgang war schön. Ich konnte über das Internetcafé mit meinem Schatz telefonieren und hatte danach noch Gelegenheit in ein Shoppingcenter zu gehen. Dort habe ich dann festgestellt, dass die sonst so ruhige Praktikantin wenn sie verhandeln darf aufblüht. Nachdem sie erfolgreich ihr gesamtes Geld in Mitbringsel investiert hat sind wir dann wieder Richtung Hafen gefahren. Glücklicherweise war Chennai (Madras) nicht so heiß, ich bin sogar in langer Hose unterwegs gewesen.

Vor dem geplanten Auslaufen fing der Stress dann an, eigentlich schon sobald an Deck und nicht mehr in den Laderäumen geladen wurde. Deckladung muss gesichert werden. Es gibt auf jedem Schiff eine bestimmte Art und Weise wie diese Ladung gesichert werden soll, das ist den Indern egal. Uns nicht, dieser Interessenkonflikt konnte nur mit schimpfen und drohen gelöst werden. Irgendwann war das Schiff dann doch soweit dass es auslaufen konnte. Auf dem Rückweg hat uns dann doch der Monsun mitgenommen. Bis auf ein paar Ausfälle im Küchenbereich war die Mannschaft noch einsatzfähig. (dumm wenn man als Messmann jemanden hat, der vorher nur auf Kreuzfahrern unterwegs war, die bewegen sich nicht so stark *grins*). Vor Malaysia stieg die Spannung der Praktikanten ins unermessliche, war doch die Frage noch offen ob wir Singapore anlaufen oder nicht. Denn unter ihnen wurde beschlossen, dass Singapore der bessere Hafen zum Aussteigen wäre (kann ich sehr gut nachvollziehen). Nachdem die Flugdaten dann endlich zugesandt wurden, gab es nur noch strahlende Praktikanten an Bord! Die Kammern wurden gesäubert und Koffer wurden gepackt, das hat richtig mitgerissen – aber bei mir dauert es ja noch eine ganze Weile, bis es soweit ist. Nachdem Port Kelang dann abgehandelt wurde, dieses mal ohne zwischendurch zu Ankern sind wir dann nach Singapore gefahren. Der Abschied hat sich ungewollt in die Länge gezogen, da der Fahrer 1,5 Stunden später kam als abgemacht. Glücklicherweise lag in Singapore gleichzeitig noch so viel an, dass nicht viel Zeit für Traurigkeit blieb. Die drei sind mir doch recht schnell ans Herz gewachsen. Ich kann es kaum erwarten, dass beim nächsten mal Singapore eine neue Praktikantin kommt! Jetzt ist also eine Rundreise vorbei und wir sind auf dem Weg nach Qingdao China. Mal sehen was sich die Chinesen dort ausgedacht haben, es finden dort auch Teile der Spiele statt. Keine Sorge, ich werde euch berichten!

So, das war’s für heute! Jetzt bin ich müde und muss mich erstmal etwas von den 3 Häfen innerhalb von 3 Tagen erholen. Bei meinem Glück waren natürlich alle Manöver außerhalb meiner Wache..
Also, macht es gut und nicht vergessen mal zu schreiben ;-)!!

Liebe Grüße

Julia!

Erster Reisebericht

Sonntag, den 27. Juli 2008

Hallo zusammen,

heute ist der 23. Juli. Wir liegen grad vor Shanghai am Anker – in Fachsprache ausgedrueckt sind wir auf Reede. Was bisher geschah: letzte Woche Montag habe ich einen Anruf bekommen, Singapur wurde gekanzelt und deswegen geht es etwas eher los und zwar bis nach Port Klang, Malaysia. Dienstag habe ich dann meinen Schatz ins Auto vefrachtet und zum Bahnhof gebracht. Auf dem Weg dahin noch schnell die Blumen bei meiner Oma in Pflege gegeben und ein wenig Wegzerrung in Form von Schokolade abgeholt (hihi, meine Schokovorliebe ist bestens bekannt ;-)!!). Nachdem mein Schatz sicher im Zug war, hab ich versucht mit dem letzten Rest Benzin zu meinem Bruder zu fahren. Es war Stau und die Tankanzeige war schon etwas länger im roten Bereich. Zur Sicherheit hab ich meinen Vater darüber informiert, so dass es notfalls mit einem Benzinkanister hergekommen wäre. Mit den letzten Tropfen hab ich es dann noch geschafft. Schnell Sachen umpacken und ab zum Flughafen dort hat schon die nächste Wegzerrung auf mich gewartet. Nachdem am Schalter gesagt wurde, dass es zu spät ist um vegetarisches Essen zu bestellen haben wir erstmal was gegessen.. Nun ging die Reise also los. Erstmal nach Frankfurt, dort umsteigen in den Flieger nach Kuala Lumpur. Neben mir saß auch ein Seefahrer, ein 3. Offizier aus Manila auf dem Weg nach Hause. Er sollte dann in Bangkok aussteigen. In Bangkok mussten alle raus aus dem Flugzeug, einmal im Kreis wieder zum einchecken und dort dann nochmal eine halbe Stunde warten bis es wieder in das Flugzeug ging.

(So, mittlerweile ist es schon der 26. Juli und es ist ca. 1845Uhr Ortszeit, also 1245Uhr deutsche Zeit, wir sind gerade auf dem Rückweg von Shanghai nach Port Klang.)

Nun war das Flugzeug also nicht mehr bis auf den letzten Platz gefüllt, sondern etwa halb leer. Einen natürlich nicht vegetarischen Snack später sind wir in Kuala Lumpur gelandet. Dort war erstmal kein Fahrer mit meinem Schiffsnamen, also bin ich durch die Passkontrolle, hab ich mein Gepäck geholt und mich zur Empfangshalle begeben. Nachdem ich ca 20 Personen abgewimmelt habe, die mir ‘helfen’ wollten ein Hotel zu finden oder einen Taxifahrer wurde ich mit ‘Dolores’ angesprochen. Ich hatte meinen Fahrer gefunden – bzw. er mich. Leider mussten wir wieder zurück zur Gepäckausgabe und Passkontrolle, weil ich den falschen Stempel in meinem Pass hatte.. In Malaysia ist die Einwanderungsbehörde gleich im Flughafen, damit es keine Probleme mit den Behörden gibt beim Auslaufen, muss ich anders registriert sein als Urlauber.. Ich durfte dann ca. 45min auf die richtigen Papiere warten, währenddessen hat mir mein Fahrer erzählt, dass ich die 3 Stunden bis das Schiff kommen soll am Flughafen warten sollte. Damit war ich nicht einverstanden, ich wollte duschen und schlafen und nicht sofort an Bord zur Übergabe.. Immerhin war ich schon über 24Stunden auf den Beinen. Zum Glück kam ein Anruf, dass das Schiff erst später einlaufen würde-somit war mein Hotelaufenthalt gesichert. Leider sollte der Fahrer noch 2 weitere Personen ins Hoel bringen, eigentlich nicht schlimm, dumm nur, dass der Flieger erst eine Stunde später ankommen soll-also noch länger warten und dann müssen die Papiere erst noch in Ordnung gebracht werden, also noch länger warten. Der Flieger hatte letztendlich eine Verspätung von 4 Stunden, das habe ich aber erst am nächsten Tag erfahren. Da in Malaysia alle befreundet sind, hat mein Fahrer mit einem anderen Fahrer getauscht, immerhin hatte er ja schon zwei von dreien da und nicht wie bei meinem Fahrer erst eine von dreien. Ich wurde also mitgegeben, der Weg zum Wagen hat sich noch etwas verzögert, weil der Fahrer erstmal noch in den Duty Free Shop musste und danach noch das Gepäck der beiden anderen geholt werden musste. Im Wagen saß dann noch eine weitere Person mit gelben T-Shirt. Die Fahrt wurde nach ca. 45min unterbrochen, weil besagt Person (wir waren also insgesamt 5 Personen, der Fahrer, 2 weitere Seemänner aus dem asiatischem Raum, der Mann im gelben Shirt und ich), der Mann in gelb, auf die Toilette musste, zu dem Zeitpunkt musste ich schon seid 3 Stunden.. Hätte ich gewußt, dass die Fahrt noch eine weitere Stunde dauern würde, wäre ich da auch gegangen. Mein Flieger ist um 18.00Uhr Ortszeit gelandet, um 22:30Uhr war ich endlich auf meinem Hotelzimmer, die beiden anderen Seefahrer mussten noch weiter fahren. Nach einem Telefonat mit meinem Schatz und der Nachricht zur Familie, dass ich heile angekommen bin, hab ich geduscht und mich zum Schlafen hingelegt. Um 03:00Uhr morgens bin ich aufgewacht, weil ich Klopfgeräusche gehört hab. Dummerweise hab ich die Tür geöffnet, zum Glück gab es noch einen Riegel. Vor der Tür stand der Mann in gelb und wollte mich mitnehmen. Mein Fahrer (der ursprüngliche vom Flughafen, vor dem Tausch) hatte mir glücklicherweise seine Handynummer gegeben und mir auch mitgeteilt, dass er mich am nächsten Morgen um 09:00Uhr abholen würde. Nach etwas Verwirrung habe ich mich dazu entschloßen mich einfach zu weigern mitzugehen, da mir mein Agent bestimmt vorher bescheid gegeben hätte, bevor er mich abholt. Dummerweise habe ich das dem Mann in gelb auch gesagt. Er hat dann geantwortet wie er mich denn hätte anrufen sollen, meine Reaktion war, wenn du weißt wo ich bin, dann kannst du mich auch anrufen. Nach ca. 15min Diskusion habe ich ihn endlich soweit gehabt, dass er gegangen ist. Zu früh gefreut, kaum war er unten hat er bei mir auf dem Zimmer angerufen. Da ich meinen Agenten nicht um diese Uhrzeit wecken wollte habe ich an der Rezeption angerufen und mein Problem geschildert. Es hat Wirkung gezeigt und die ‘I want you’ Anrufe haben aufgehört. Wohl war mir allerdings nicht. Da mein Schatz am nächsten Tag Geburtstag hatte, hatte ich mir meinen Wecker auf Mitternacht deutsche Zeit, gleichbedeutend mit 06:00Uhr Ortszeit gestellt. Nachdm ich die Geburtstagssms weggeschickt hatte, klingelte mal wieder das Hotelzimmertelefon. Der nächste ‘I want you’ Anruf. Diesmal hat der Anruf an der Rezeption nicht geholfen, es wurde von außerhalb angerufen. Nach einer halben Stunde Telefonterror wurde es mir zu bunt und ich hab meinen Fahrer angerufen, wann er mich denn abholen würde. Ich hab ihn geweckt – so ein Ärger. Er sagte 08:30Uhr. Also musste ich nur noch 2 Stunden in dem Hotel aushalten. Auf dem weg zum Frühstück war mir schon etwas mulmig zumute, aber keine Spur von dem Herren in gelb. Ich wurde dann auch fast pünktlich abgeholt und nachdem dann noch mindestens 3 Behördengänge erledigt waren, sind wir dann auch zum Hafen gefahren. Als das Schiff dann in Sicht war, war ich erstmal erleichtert. Die ersten Worte nach der Begrüßung einer alten Bekannten, die ich abgelöst habe, waren, dass sie bloß aufpassen soll mit welchem Fahrer sie mitfährt. Letztendlich hätte ich noch ohne Probleme ausschlafen können, da das Schiff erst um 2230Uhr ausgelaufen ist und der erste Offizier nicht wollte, dass die Übergabe während der Wache gemacht wird. Da Zwischendurch noch das Schiff an eine andere Pier musste, war die Übergabe etwas zerstückelt. Das Auslaufen hatte sich etwas verspätet, weil der Agent etwas durcheinander gebracht hatte. Zu mir hatte er ja den Abend vorher gesagt, dass ich direkt zum Schiff soll, zu dem neuen Leitenden Ingenieur hat er gesagt, dass er erstmal noch eine Nacht im Hotel hat, dabei ist er einen Tag später angekommen (also an dem Tag, an dem wir Port Klang verlassen wollten). Erst nachdem der Kapitän auf dem Handy des Agenten angerufen hatte (ich hatte ja den Abend vorher die Telefonnummer bekommen), wurde dieser Irrtum aufgeklärt. Der neue leitende Ingenieur wurde unter der Dusche herausgeklingelt und schnell zum Schiff gebracht. Danach konnten wir dann endlich los. Die Übergabe der Ingenieure wurde für 2 Wochen angesetzt, was bedeutet, dass der bisherige leitende Ingenieur erst aussteigt, wenn wir wieder in Port Klang sind. Der Einstieg war also etwas chaotisch. Sehr überraschend war auch, dass hier an Bord der 3. Offizier für die Hafenpapiere zuständig ist, was bedeutet, dass ich für jeden Hafen die Einklarierung vorbereiten muss, also die richtige Anzahl der (hoffentlich richtig aktualisierten und dem Hafen entsprechenden) Papiere bereitlegen muss. Abgesehen davon liegt im September wohl eine Überprüfung an, bis dahin müssen die Sicherheitseinrichtungen in Ordnung gebracht sein. Zum Glück hatte ich zur Eingewöhung erstmal 6 Tage Überfahrt. Das Schiff ist schon etwas älter und die Bauweise ist gewöhnungsbedürftig. Die Aufbauten sind verschachtelt, so dass ich zu Beginn erstmal den Weh nach draußen suchen musste.. Mittlerweile geht es aber ganz gut. Nur der Maschinenraum macht mir noch Sorgen, da kenne ich mich noch nicht so gut aus, aber das wird schon! Der erste Offizier unterstützt meine Arbeit so gut es geht und hat auch noch nicht angefangen mit den Augen zu rollen, wenn ich wieder eine neue Idee habe.. bis jetzt scheinen alle zufrieden zu sein mit meiner Arbeit – drückt mir die Daumen dass es so bleibt!! Wir hatten auch gleich den 2. Tag auf See ein BBQ wo wirklich alle, die nicht gerade arbeiten mussten dran teilgenommen haben, was wirklich selten ist. Gestern Abend gab es Meeresleuchten, immer mal wieder während der Wache, das war einfach unbeschreiblich schön! Da vergißt man ganz schnell solche Dinge wie in dem Hotel in Kuala Lumpur!! So, das war es erstmal ich muss gleich wieder auf die Brücke zum Arbeiten. Ich hoffe, dass ihr mir auch fleißig schreibt, damit ich bei meinem nächsten Besuch im Internetcafé auch was zu Lesen habe ;-)

Liebe Grüße!!
Julia