Erster Reisebericht
Sonntag, den 27. Juli 2008Hallo zusammen,
heute ist der 23. Juli. Wir liegen grad vor Shanghai am Anker – in Fachsprache ausgedrueckt sind wir auf Reede. Was bisher geschah: letzte Woche Montag habe ich einen Anruf bekommen, Singapur wurde gekanzelt und deswegen geht es etwas eher los und zwar bis nach Port Klang, Malaysia. Dienstag habe ich dann meinen Schatz ins Auto vefrachtet und zum Bahnhof gebracht. Auf dem Weg dahin noch schnell die Blumen bei meiner Oma in Pflege gegeben und ein wenig Wegzerrung in Form von Schokolade abgeholt (hihi, meine Schokovorliebe ist bestens bekannt ;-)!!). Nachdem mein Schatz sicher im Zug war, hab ich versucht mit dem letzten Rest Benzin zu meinem Bruder zu fahren. Es war Stau und die Tankanzeige war schon etwas länger im roten Bereich. Zur Sicherheit hab ich meinen Vater darüber informiert, so dass es notfalls mit einem Benzinkanister hergekommen wäre. Mit den letzten Tropfen hab ich es dann noch geschafft. Schnell Sachen umpacken und ab zum Flughafen dort hat schon die nächste Wegzerrung auf mich gewartet. Nachdem am Schalter gesagt wurde, dass es zu spät ist um vegetarisches Essen zu bestellen haben wir erstmal was gegessen.. Nun ging die Reise also los. Erstmal nach Frankfurt, dort umsteigen in den Flieger nach Kuala Lumpur. Neben mir saß auch ein Seefahrer, ein 3. Offizier aus Manila auf dem Weg nach Hause. Er sollte dann in Bangkok aussteigen. In Bangkok mussten alle raus aus dem Flugzeug, einmal im Kreis wieder zum einchecken und dort dann nochmal eine halbe Stunde warten bis es wieder in das Flugzeug ging.
(So, mittlerweile ist es schon der 26. Juli und es ist ca. 1845Uhr Ortszeit, also 1245Uhr deutsche Zeit, wir sind gerade auf dem Rückweg von Shanghai nach Port Klang.)
Nun war das Flugzeug also nicht mehr bis auf den letzten Platz gefüllt, sondern etwa halb leer. Einen natürlich nicht vegetarischen Snack später sind wir in Kuala Lumpur gelandet. Dort war erstmal kein Fahrer mit meinem Schiffsnamen, also bin ich durch die Passkontrolle, hab ich mein Gepäck geholt und mich zur Empfangshalle begeben. Nachdem ich ca 20 Personen abgewimmelt habe, die mir ‘helfen’ wollten ein Hotel zu finden oder einen Taxifahrer wurde ich mit ‘Dolores’ angesprochen. Ich hatte meinen Fahrer gefunden – bzw. er mich. Leider mussten wir wieder zurück zur Gepäckausgabe und Passkontrolle, weil ich den falschen Stempel in meinem Pass hatte.. In Malaysia ist die Einwanderungsbehörde gleich im Flughafen, damit es keine Probleme mit den Behörden gibt beim Auslaufen, muss ich anders registriert sein als Urlauber.. Ich durfte dann ca. 45min auf die richtigen Papiere warten, währenddessen hat mir mein Fahrer erzählt, dass ich die 3 Stunden bis das Schiff kommen soll am Flughafen warten sollte. Damit war ich nicht einverstanden, ich wollte duschen und schlafen und nicht sofort an Bord zur Übergabe.. Immerhin war ich schon über 24Stunden auf den Beinen. Zum Glück kam ein Anruf, dass das Schiff erst später einlaufen würde-somit war mein Hotelaufenthalt gesichert. Leider sollte der Fahrer noch 2 weitere Personen ins Hoel bringen, eigentlich nicht schlimm, dumm nur, dass der Flieger erst eine Stunde später ankommen soll-also noch länger warten und dann müssen die Papiere erst noch in Ordnung gebracht werden, also noch länger warten. Der Flieger hatte letztendlich eine Verspätung von 4 Stunden, das habe ich aber erst am nächsten Tag erfahren. Da in Malaysia alle befreundet sind, hat mein Fahrer mit einem anderen Fahrer getauscht, immerhin hatte er ja schon zwei von dreien da und nicht wie bei meinem Fahrer erst eine von dreien. Ich wurde also mitgegeben, der Weg zum Wagen hat sich noch etwas verzögert, weil der Fahrer erstmal noch in den Duty Free Shop musste und danach noch das Gepäck der beiden anderen geholt werden musste. Im Wagen saß dann noch eine weitere Person mit gelben T-Shirt. Die Fahrt wurde nach ca. 45min unterbrochen, weil besagt Person (wir waren also insgesamt 5 Personen, der Fahrer, 2 weitere Seemänner aus dem asiatischem Raum, der Mann im gelben Shirt und ich), der Mann in gelb, auf die Toilette musste, zu dem Zeitpunkt musste ich schon seid 3 Stunden.. Hätte ich gewußt, dass die Fahrt noch eine weitere Stunde dauern würde, wäre ich da auch gegangen. Mein Flieger ist um 18.00Uhr Ortszeit gelandet, um 22:30Uhr war ich endlich auf meinem Hotelzimmer, die beiden anderen Seefahrer mussten noch weiter fahren. Nach einem Telefonat mit meinem Schatz und der Nachricht zur Familie, dass ich heile angekommen bin, hab ich geduscht und mich zum Schlafen hingelegt. Um 03:00Uhr morgens bin ich aufgewacht, weil ich Klopfgeräusche gehört hab. Dummerweise hab ich die Tür geöffnet, zum Glück gab es noch einen Riegel. Vor der Tür stand der Mann in gelb und wollte mich mitnehmen. Mein Fahrer (der ursprüngliche vom Flughafen, vor dem Tausch) hatte mir glücklicherweise seine Handynummer gegeben und mir auch mitgeteilt, dass er mich am nächsten Morgen um 09:00Uhr abholen würde. Nach etwas Verwirrung habe ich mich dazu entschloßen mich einfach zu weigern mitzugehen, da mir mein Agent bestimmt vorher bescheid gegeben hätte, bevor er mich abholt. Dummerweise habe ich das dem Mann in gelb auch gesagt. Er hat dann geantwortet wie er mich denn hätte anrufen sollen, meine Reaktion war, wenn du weißt wo ich bin, dann kannst du mich auch anrufen. Nach ca. 15min Diskusion habe ich ihn endlich soweit gehabt, dass er gegangen ist. Zu früh gefreut, kaum war er unten hat er bei mir auf dem Zimmer angerufen. Da ich meinen Agenten nicht um diese Uhrzeit wecken wollte habe ich an der Rezeption angerufen und mein Problem geschildert. Es hat Wirkung gezeigt und die ‘I want you’ Anrufe haben aufgehört. Wohl war mir allerdings nicht. Da mein Schatz am nächsten Tag Geburtstag hatte, hatte ich mir meinen Wecker auf Mitternacht deutsche Zeit, gleichbedeutend mit 06:00Uhr Ortszeit gestellt. Nachdm ich die Geburtstagssms weggeschickt hatte, klingelte mal wieder das Hotelzimmertelefon. Der nächste ‘I want you’ Anruf. Diesmal hat der Anruf an der Rezeption nicht geholfen, es wurde von außerhalb angerufen. Nach einer halben Stunde Telefonterror wurde es mir zu bunt und ich hab meinen Fahrer angerufen, wann er mich denn abholen würde. Ich hab ihn geweckt – so ein Ärger. Er sagte 08:30Uhr. Also musste ich nur noch 2 Stunden in dem Hotel aushalten. Auf dem weg zum Frühstück war mir schon etwas mulmig zumute, aber keine Spur von dem Herren in gelb. Ich wurde dann auch fast pünktlich abgeholt und nachdem dann noch mindestens 3 Behördengänge erledigt waren, sind wir dann auch zum Hafen gefahren. Als das Schiff dann in Sicht war, war ich erstmal erleichtert. Die ersten Worte nach der Begrüßung einer alten Bekannten, die ich abgelöst habe, waren, dass sie bloß aufpassen soll mit welchem Fahrer sie mitfährt. Letztendlich hätte ich noch ohne Probleme ausschlafen können, da das Schiff erst um 2230Uhr ausgelaufen ist und der erste Offizier nicht wollte, dass die Übergabe während der Wache gemacht wird. Da Zwischendurch noch das Schiff an eine andere Pier musste, war die Übergabe etwas zerstückelt. Das Auslaufen hatte sich etwas verspätet, weil der Agent etwas durcheinander gebracht hatte. Zu mir hatte er ja den Abend vorher gesagt, dass ich direkt zum Schiff soll, zu dem neuen Leitenden Ingenieur hat er gesagt, dass er erstmal noch eine Nacht im Hotel hat, dabei ist er einen Tag später angekommen (also an dem Tag, an dem wir Port Klang verlassen wollten). Erst nachdem der Kapitän auf dem Handy des Agenten angerufen hatte (ich hatte ja den Abend vorher die Telefonnummer bekommen), wurde dieser Irrtum aufgeklärt. Der neue leitende Ingenieur wurde unter der Dusche herausgeklingelt und schnell zum Schiff gebracht. Danach konnten wir dann endlich los. Die Übergabe der Ingenieure wurde für 2 Wochen angesetzt, was bedeutet, dass der bisherige leitende Ingenieur erst aussteigt, wenn wir wieder in Port Klang sind. Der Einstieg war also etwas chaotisch. Sehr überraschend war auch, dass hier an Bord der 3. Offizier für die Hafenpapiere zuständig ist, was bedeutet, dass ich für jeden Hafen die Einklarierung vorbereiten muss, also die richtige Anzahl der (hoffentlich richtig aktualisierten und dem Hafen entsprechenden) Papiere bereitlegen muss. Abgesehen davon liegt im September wohl eine Überprüfung an, bis dahin müssen die Sicherheitseinrichtungen in Ordnung gebracht sein. Zum Glück hatte ich zur Eingewöhung erstmal 6 Tage Überfahrt. Das Schiff ist schon etwas älter und die Bauweise ist gewöhnungsbedürftig. Die Aufbauten sind verschachtelt, so dass ich zu Beginn erstmal den Weh nach draußen suchen musste.. Mittlerweile geht es aber ganz gut. Nur der Maschinenraum macht mir noch Sorgen, da kenne ich mich noch nicht so gut aus, aber das wird schon! Der erste Offizier unterstützt meine Arbeit so gut es geht und hat auch noch nicht angefangen mit den Augen zu rollen, wenn ich wieder eine neue Idee habe.. bis jetzt scheinen alle zufrieden zu sein mit meiner Arbeit – drückt mir die Daumen dass es so bleibt!! Wir hatten auch gleich den 2. Tag auf See ein BBQ wo wirklich alle, die nicht gerade arbeiten mussten dran teilgenommen haben, was wirklich selten ist. Gestern Abend gab es Meeresleuchten, immer mal wieder während der Wache, das war einfach unbeschreiblich schön! Da vergißt man ganz schnell solche Dinge wie in dem Hotel in Kuala Lumpur!! So, das war es erstmal ich muss gleich wieder auf die Brücke zum Arbeiten. Ich hoffe, dass ihr mir auch fleißig schreibt, damit ich bei meinem nächsten Besuch im Internetcafé auch was zu Lesen habe ;-)
Liebe Grüße!!
Julia
