Zweiter Reisebericht
Donnerstag, den 14. August 2008So, hier mal wieder eine kleine Übersicht über mein Leben an Bord:
Hallo zusammen, da es ja schon wieder 2 Wochen her ist, dass ich geschrieben habe wird es jetzt mal wieder Zeit. Mittlerweile habe ich die erste Rundreise hinter mir. Eine Rundreise auf diesem Schiff gleicht keiner anderen, es werden immer wieder Häfen gestrichen oder hinzugefügt. Meine erste Rundreise ging von Port Kelang Nord, nach Port Kelang West (die Häfen liegen nur 45min auseinander und gehören zur selben Stadt.) Diese beiden Häfen wurden während der Übergabe abgehandelt, was bedeutet, dass ich in North Port an Bord gekommen bin und meine Kollegin in Westport ausgestiegen ist, teilweise sind sogar dieselben Hafenarbeiter dabei das Schiff abzufertigen (sicher bin ich mir nicht, aber das Gefühl ist sehr stark). Danach ging es ja nach Shanghai. Leider war das der absolute Reinfall. Eigentlich wollten die Praktikanten und ich an Bord um uns Shanghai anzugucken, die Fahrt vom Hafen aus hätte ca. 50$ hin- und zurück gekostet und auch bestimmt jeweils eine Stunde gedauert, der Hafen ist sehr weit weg von der Stadt. Soweit sind wir gar nicht erst gekommen. Erstmal sind wir außerhalb meiner Wache eingelaufen und ich hätte nachdem wir fest waren nur noch 3 Stunden gehabt bis ich wieder loslegen musste. Dann kam auch noch nach der Gesichtskontrolle die Polizei an Bord und wollte die beiden Frauen sehen, weil ihnen zu Ohren gekommen sei, dass hier an Bord 2 davon wären. Wir standen sowieso grad an Deck, somit war der Part schnell erledigt. Danach wurde nach einer weiteren Crewliste verlangt und darauf hingewiesen, dass wir doch bitte beim nächsten Mal eine Crewliste bei der die Geschlechter aufgeführt werden aushändigen sollen. Später hat dann der Agent mitgeteilt, dass wir Frauen nicht alleine den Hafen verlassen dürfen. Eine Frechheit, die haben uns nicht geglaubt, dass wir Offizier und Praktikantin sind, statt Betthüpferl.. Naja, zum Glück haben wir das erst später erfahren und der Agent ist dann auch nicht mehr an Bord gekommen.
Die Hafenarbeiter hatten es ziemlich schwer mit uns im Hafen, wir waren nicht mit der Beladung zufrieden und schon gar nicht mit der Ladungssicherung, so ist das Schiff auch erst 2 Stunden nachdem der Lotse an Bord war ausgelaufen. Abgesehen davon, dass es uns die Behörden auch nicht einfach gemacht haben, die Polizei war insgesamt 4 mal an Bord, weil es einfacher ist aus dem Hafen rauszugelangen als wieder herein. Die Crew hatte keine Pässe mit und am Gate wollten die Herren sich nicht mit den Landgangstickets zufrieden geben, so wurde ein Teil mit der Polizei zum Schiff gefahren wo anhand einer Crewliste bewiesen wurde, dass sie tatsächlich von hier waren. Der restliche Teil hatte dann etwas mehr Glück und musste nicht erst 45min mit den Behörden verhandeln. Somit waren alle froh, als wir endlich die Leinen los hatten und uns wieder auf den Weg nach Port Kelang machten. Diese Freude hielt bei einigen nur solange an, bis der Südwestmonsun anfing mit uns zu Spielen. Wir hatten Windstärke 8 und dazu Schwell von bis zu 5 m. Das reicht aus um das Schiff ordentlich ins Rollen und Stampfen zu bringen. Nach 6 Tagen waren wir dann wieder in Port Kelang. Hier kann man sich auf nichts verlassen. Ist das Schiff fertig, kommt der Lotse nicht. Kommt der Lotse früh, ist das Schiff noch weit davon entfernt fertig zu sein und alles verspätet sich. Einmal heißt es wir gehen direkt in westport an die Pier und dann liegen wir doch ca. 10 Stunden auf Reede und niemand weiß wann es weitergeht. Schon spannend. Abgesehen davon ist Port Kelang einer der anstrengendsten Häfen weil man dort relativ günstig telefonieren kann :-) !
Von Malaysia aus ging es dann Richtung Indien. Eigentlich wurde mit rauer See gerechnet, aber im Endeffekt war das Wetter nicht einmal halb so schlimm wie vorher auf dem Weg von China nach Malaysia. Dafür war der Hafen schlimm – alles gleicht sich irgendwie aus :-)! Zu Beginn unseres Aufenthaltes in Indien sah es noch so aus, als ob diesmal Shanghai der schlimmste Hafen werden würde, die Hafenarbeiter haben brav das getan was sie sollten, der Landgang war schön. Ich konnte über das Internetcafé mit meinem Schatz telefonieren und hatte danach noch Gelegenheit in ein Shoppingcenter zu gehen. Dort habe ich dann festgestellt, dass die sonst so ruhige Praktikantin wenn sie verhandeln darf aufblüht. Nachdem sie erfolgreich ihr gesamtes Geld in Mitbringsel investiert hat sind wir dann wieder Richtung Hafen gefahren. Glücklicherweise war Chennai (Madras) nicht so heiß, ich bin sogar in langer Hose unterwegs gewesen.
Vor dem geplanten Auslaufen fing der Stress dann an, eigentlich schon sobald an Deck und nicht mehr in den Laderäumen geladen wurde. Deckladung muss gesichert werden. Es gibt auf jedem Schiff eine bestimmte Art und Weise wie diese Ladung gesichert werden soll, das ist den Indern egal. Uns nicht, dieser Interessenkonflikt konnte nur mit schimpfen und drohen gelöst werden. Irgendwann war das Schiff dann doch soweit dass es auslaufen konnte. Auf dem Rückweg hat uns dann doch der Monsun mitgenommen. Bis auf ein paar Ausfälle im Küchenbereich war die Mannschaft noch einsatzfähig. (dumm wenn man als Messmann jemanden hat, der vorher nur auf Kreuzfahrern unterwegs war, die bewegen sich nicht so stark *grins*). Vor Malaysia stieg die Spannung der Praktikanten ins unermessliche, war doch die Frage noch offen ob wir Singapore anlaufen oder nicht. Denn unter ihnen wurde beschlossen, dass Singapore der bessere Hafen zum Aussteigen wäre (kann ich sehr gut nachvollziehen). Nachdem die Flugdaten dann endlich zugesandt wurden, gab es nur noch strahlende Praktikanten an Bord! Die Kammern wurden gesäubert und Koffer wurden gepackt, das hat richtig mitgerissen – aber bei mir dauert es ja noch eine ganze Weile, bis es soweit ist. Nachdem Port Kelang dann abgehandelt wurde, dieses mal ohne zwischendurch zu Ankern sind wir dann nach Singapore gefahren. Der Abschied hat sich ungewollt in die Länge gezogen, da der Fahrer 1,5 Stunden später kam als abgemacht. Glücklicherweise lag in Singapore gleichzeitig noch so viel an, dass nicht viel Zeit für Traurigkeit blieb. Die drei sind mir doch recht schnell ans Herz gewachsen. Ich kann es kaum erwarten, dass beim nächsten mal Singapore eine neue Praktikantin kommt! Jetzt ist also eine Rundreise vorbei und wir sind auf dem Weg nach Qingdao China. Mal sehen was sich die Chinesen dort ausgedacht haben, es finden dort auch Teile der Spiele statt. Keine Sorge, ich werde euch berichten!
So, das war’s für heute! Jetzt bin ich müde und muss mich erstmal etwas von den 3 Häfen innerhalb von 3 Tagen erholen. Bei meinem Glück waren natürlich alle Manöver außerhalb meiner Wache..
Also, macht es gut und nicht vergessen mal zu schreiben ;-)!!
Liebe Grüße
Julia!