Dritter Reisebericht
Freitag, den 5. September 2008Hallo alle zusammen,
hier ein paar Neuigkeiten von Bord. China liegt schon lange wieder hinter uns. Diesesmal ging es nach Qingdao und danach nach Shanghai. In Qingdao ist normalerweise gerade Nebelzeit, da aber für die Olympischen Spiele ‘Wettermacher’ benutzt wurden, war kein Nebel da und wir konnten direkt den Lotsen nehmen. Die Liegezeit war so kurz bemessen, dass wir keine Landgangstickets bekommen haben. Danach ging es weiter nach Shanghai. In Shanghai durfte dieses Mal auch keiner an Land, weil wir im ersten chinesischem Hafen ja keine Landgangstickets bekommen haben – diese Chinesen.. somit war natürlich die Hälfte der Besatzung mies gelaunt.
Naja, dafür haben die Hafenarbeiter uns ein Abschiedsgeschenk gemacht und alle Container ordentlich gesichert und das übrig gebliebene Laschmaterial eingesammelt, sie waren sogar eine Stunde bevor der Lotse kommen sollte fertig. Und das während meiner Wache, ich war richtig begeistert, wo ich doch zu Beginn der Wache nicht wusste, wie ich die Wache überstehen sollte, vertrag das Essen hier nicht. Eigentlich sollten wir von Shanghai aus nach Shekou fahren, doch der Hafen wurde glücklicherweise gestrichen und wir hatten dann doch eine längere Seereise. Die chinesischen Wettermacher hatten nicht die Macht den Taifun abzuwenden und so ist er dann doch über Hong Kong gezogen, was unser Glück war, denn sonst hätten wir abwettern müssen. So hatten wir nur ein Tag Wellen von bis zu 4m und Windstärken um die 7 Bft. Alles von vorne und somit gut zu ertragen.
Einen tag vor Singapore wurde dann der Geburtstag vom Messman gefeiert, ich hatte versprochen mal kurz vor der Wache vorbeizuschauen. War ganz Ok, hier an Bord gibt es eine Nay bee Bar, das ist der Crewtagesraum, dort ist eine Bar, ein Fernseher und eine Gitarre. Netürlich wurde dann die Karaoke Anlage in Betrieb genommen und schaurig schöne Lieder angestimmt :-) . Ich durfte dann auch mal ran, bzw. wurde ich so nett darum gebeten, dass ich auch ein Lied zum Besten gab. Nachdem ein Matrose dann mehr Punkte bekommen hatte als ich bin ich dann hoch auf Brücke, gearbeitet werden muss ja trotzdem.
In Singapore angekommen hieß es dann wieder abschiednehmen, dieses Mal vom Kapitän. Das war nicht so einfach, wusste man doch nicht wer da kommt. In Singapore ist dann auch die neue Praktikantin zu uns gestoßen und somit wieder etwas mehr Leben. Leider war sie gleich am nächsten morgen out of order, und erstmal nicht mehr Einsatzfähig, das hat sich dann glücklicherweise nach einem Tag wieder gebessert. Mittlerweile ist sie voll in Beschlag genommen worden von der Sicherheitsinspektion die bald ansteht und hilft mir bei der Instandsetzung einiger Dinge. Das ganze Schiff wurde leider angesteckt von der Nervosität vor der Inspektion und die Stimmung ist sehr gereizt. Dummerweise bin ich ja für die Indstandsetzung der Sicherheitsrelevanten Geräte zuständig und darf mir dann die Beschwerden anhören. In Singapore sind Ersatzteile für mich eingetroffen und ich muss zusehen, dass alles vor nächstem Mal Singapore in Ordnung ist, was praktisch unmöglich ist, da ich ja 8 Stunden Wache gehe und die Sicherheit nur Nachmittags machen kann.
Zudem sind einige Dinge in anderer Form gekommen als geplant. Ja, die Sorgen und Nöte eines 3. Offiziers. Bis jetzt ist auch noch keine Information über einen neuen Charterer gekommen und somit auch keine Information über eine neue Route. Okay, natürlich muss erstmal die Inspektion überstanden werden, aber man ist ja schon neugierig was danach kommt. Hoffentlich entweder eine lange Seereise oder wenigstens schöne Häfen.
Ich sitze gerade auf der Brücke, wir liegen auf Reede, ein Radar ist kaputt, der Brückencomputer spinnt, der Draht den mir der erste gegeben hat um die Kupplungen mit den Feuerlöschschläuchen zu verbinden ist viel zu dünn, draußen sind im Schatten 35°C, die Klimaanlage kommt nicht hinterher und bis vor kurzem war auch noch eine Brückentür auf, weil der erste eigentlich hoch kommen wollte um mit einem Schleifgerät die Schiffsglocke zu polieren und draußen keine Steckdose ist. Alles in allem ein gelungener Tag, oder?
Auf dem Brückencomputer sind alle Dokumente, die ich brauche für die Sicherheit und natürlich auch zur Einklarierung. Auf diesem Schiff hat der dritte offizier sowieso nicht so viel zu tun, ist auch auch keine 22 Jahre alt und alle Sicherheitseinrichtungen funktionieren einwandfrei, nein, die Klarierung mache ich auch noch. Und das nennt man Urlaub, von wegen 3 monatige Kreuzfahrt in Asien, ich steh nicht so auf Abenteuerurlaub.. :-)
Zum Glück kann ich für die meisten Sachen nichts und somit brauche ich mir auch nichts vorwerfen zu lassen. Jetzt nocham das ganze und zwar ca. 8 Stunden später, das Temperament ist heut früh mal wieder mit mir durchgegangen. Also, das mit dem radar ist vor 4 Monaten schon mal gewesen und der PC auf der Brücke funktioniert auch wieder. Heut wollte ich die leeren Preßluftflaschen auffüllen und hab festgestellt, dass sie noch voll sind. Danach wurden alle Masken kontrolliert und gereinigt. Vorher gab es noch einen Abstecher in die Maschine auf der Suche nach dem Draht den ich ja brauche um die Feuerlöschschläuche in Ordnung zu bringen – Fazit: haben wir nicht. Jetzt steht klein Julia vor einem Problem, ein schlauch ist nämlich kaputt, na dann muss der wohl solange warten bis Draht kommt.
Morgen geht es dann zur Abwechslung mal wieder ins Rettungsboot, noch die letzten Änderungen vornehmen und danach werden ein paar von den Schlauchkästen ausgetauscht. Die Glocke wurde übrigens am Nachmittag weiter bearbeitet. Na, immerhin wir die wohl fertig sein wenn der Erste aussteigt.. Drückt mir bitte die Daumen, ich träume von ein paar Tagen (schon 2 stellig an der Anzahl) auf Reede vor Singapore, schön mit Shuttle Service an Land, das wäre klasse. So, jetzt heißt es die Berichtigungen der nautischen Publikationen vornehmen, die werden in Singapore wohl auch noch kontrolliert. Also, alles in allem ist es so wie immer: Ansichtssache.
Viele Grüße!
Julia