2. Tour erster Reisebericht
Montag, den 16. Februar 2009Hallo zusammen,
es ist wieder soweit. Ich bin unterwegs auf einem Containerschiff. Der Taufname des Schiffes lautet Fresena, mittlerweile heißt die junge Dame aber Alianca Patagonia. (Das c wird nicht als ‘k’ ausgesprochen, sondern als ‘z’ das hat mir der Halbbrasilianer im Flieger mitgeteilt.) Das Schiff ist ein Schwesterschiff von dem Foto welches oben rechts zu sehen ist – das mit dem schlechten Wetter. Wir fahren in Mittel- und Südamerika. Leider war ich zu Beginn der Reise krank und musste dann unter Einfluss von Antibiotika meinen Dienst antreten. Glücklicherweise wurde in der ersten Wache unter meiner Obhut keine Lade- und Löschtätigkeit vorgenommen – wir lagen nur so an der Pier. Jetzt aber von Anfang an.
Mein Flug wurde umgebucht auf Sa morgen 0600Uhr. Deswegen habe ich mein Gepäck schon am Fr Abend zum Flughafen gebracht. Am Schalter habe ich sogar vorsichtshalber noch nachgefragt ob vegetarisches Essen bestellt wurde. Eigenlich hätte es mich stutzig machen müssen, dass es darauf keine Antwort gab. Aber die gute Frau wollte dass ich das Übergepäck bezahle. Glücklicherweis konnte ich beweisen, dass ich wirklich zur See fahre und deswegen statt der normalen 20kg 40kg mitnehmen durfte. Wobei ich die bei weitem nicht erreicht habe (trotz Schokoladenvorräten für mehrere Monate). Abgesehen davon hatte ich etwas Angst, dass am nächsten morgen gesagt wird, dass mein Handgepäck zu groß sei. (Ein total klasse Trolley, in dem ich wirklich eine Menge untergebracht habe) Am Samstag ging dann die Reise los. Erstmal nach Frankfurt, das kannte ich ja schon. Eigentlich bin ich davon ausgegangen dass 80min vollkommen ausreichen würden zum Umsteigen. Hatte nicht damit gerechnet, dass wir auf einer Außenposition landen würden,nachdem wir eh schon 20min Verspätung hatten. Somit war der geplante Kaugummikauf in Frankfurt geplatzt. In der Schlange vor der Sicherheitskontrolle habe ich dann meinen Mut zusammen genommen und einen Herren gefragt, ob ich vor dürfte, da mein Boarding schon begonnen hatte. Er meinte dass jeder dieses Problem hätte. Später hat mich dann ein amerikanisches Ehepaar vorgelassen, als ich dann wirklich schon leicht panisch wurde. Natürlich musste ich dann noch meinen Trolley öffnen, da mein Karaokemikrofon dort drin war und dieses auf dem Bildschirm komisch gewirkt haben muss. Somit waren die Amis doch schneller durch als ich.. Kurz bevor dann meine Reihe aufgerufen wurde bin ich dann auch am rcihtigen Gate angekommen. Später habe ich dann festgestellt, dass sie auch noch auf mich gewartete hätten – ein Ehepaar kam mit Verspätung, erst danach ging es los. Im Flieger musste ich dann feststellen, dass über meinem Sitz keine Gepäckablage war, dort wude die Rettungsrutsche gelagert. Und wohin mit meinem Trolley? Bloß nicht vor mir, wie hätte ich das 11,5 Std aushalten sollen? Völlig entnervt hab ich dann den Mann in der Reihe hinter mir geragt, ob er den Trolley auf der anderen Seite im Gang in die Gepäckablage legen könnte. Hat er dann auch gemacht – nun bestand die Gefahr, dass die blöde Ablage nicht mehr zuguing. Hat dann aber später alles geklappt. Hinter mir saß ein total niedlicher kleiner Halbbrasilianer, so um die 5 Jahre. Timothy. Neben mir die 10 Jahre ältere Version. Der Flieger war gelinde ausgedrückt eng und voll. Der Blick auf den Fernseher wurde durch die Ablage über mir gestört. Es gab keine Nüsse – für die hätte man zahlen müssen. Timothy konnte nicht schlafen – ich deswegen auch nicht. Denn um seinen Frust abzulassen hat er entweder gegen meinen Sitz getreten oder geschlagen. Immer abwechselnd. Daran kann man gut erkennen, wie eng der Flieger war – er kam ohne Probleme an meinen Sitz ran, auch wenn er angeschnallt war. Nach 8 Std hab ich dann mal böse nach hinten geguckt, dann war für 5 min Ruhe – herrlich! Abgesehen davon war es laut – sehr laut im Flieger. Brasilianer schließen schnell Freundschaften und zelebrieren dies lautstark. Es war der längste Flug meines Lebens. Dazu kommt noch der Schock bei der Essensausgabe – obwohl ich extra noch angerufen habe und mir die Reederei es auch nochmal bestätigt hat. Es gab kein Essen für mich. Ich hätte eine schriftliche Buchungsbestätigung gebraucht. Es war nicht zu fassen. Da man auch die alkoholischen Getränke bezahlen musste – konnte ich nichts gegen meinen Frust tun. Zumindest kam das Gepäck mit und ich habe bei der Einreise alles richtig gemacht und die Behörde gefragt ob ich denn alles richtig ausgefüllt habe weil ich doch hier anfange zu arbeiten. Es war schon vorgesorgt und ich habe ein paar Zettelchen in die Hand gedrückt bekommen. Sogar mein Fahrer war da. Sein Englisch beschränkte sich allerdings auf ein paar Worte: I will bring you to the hotel. Dafür konnte der Mann am Telefon Englisch und hat mich auch gleich mit Honey bezeichnet. Das Hotel glich eher einer Jugendherberge. Mit verschimmelter Badezimmerdecke. Egal, ich war da. Es gab auch ein bissl w-Lan aber nur ganz schwach und nach 15 min (wobei ich ca. 2 Stunden lang versucht hab zu verbinden) war es das auch schon mit dem w-lan. Am nächsten Morgen hab ich dann gefragt wie viel es denn kostet, wenn ich mich in das verschlüsselte w-Lan vom Hotel einlogge. Es war kostenlos. Manchmal ärgere ich mich ja über meine Schüchternheit. Egal ich wurde ja erst um 16:00Uhr abgeholt.
Das Schiff hatte eine Stunde verspätung also habe ich versucht von dem Fahrer etwas Portugisisch zu lernen – war spannend. Danach an der Pier stehen und warten, dass die Behörden kommen – vorher durften wir ja nicht an Bord. Bis die angerufen haben um zu sagen, dass sie nicht kommen. Mittlerweile war es 18:00Uhr. Nach kurzem Hallo ging es um die Kammerfrage 15 min später war ich beim Abendbrot. Die Ladungsarbeiten sollten erst um 01:00Uhr losgehen. Mein Vorgänger sollte um 21:00Uhr abgeholt werden. Leider hat er mir nichts zu trinken dagelassen was ich ihm ehrlich gesagt etwas übelnehme, da ein Tag vorher noch Slopchest war und er ohne Probleme noch hätte Wasser kauen können. Nach der Übergabe bin ich dann auf meine Kammer und habe bis Mitternacht standby an meinem Walki-Talki gehangen. Dankbar für die Pause, da ich durch die Mandelentzündung immernoch mitgenommen war. Morgens um 0600Uhr ging es dann los mit Ladungswache. Gegen 10 Uhr sind wir dann ausgelaufen. Zu meiner Überraschun g wurde der 2. Offizier nicht geweckt und ich habe stattdessen die achtere Manöverstation übernommen. Vorne hat der Bootsmann das alleine gemacht. Danach hieß es erstmal schön 6 Tage Seereise. 6 Tage Zeit um das Schiff kennenzulernen und schon ein paar Sicherheitschecks zu machen. 6 Tage Zeit gesund zu werden. Dummerweise auch 6 Tage den ersten Offizier zum Abendbrot ablösen, da es Wochenweise geregelt wird hier und wir dummerweise an einem Montag ausgelaufen sind.
Mittlerweile haben wir Venezuela überstanden und sind auf dem Weg nach Columbien, aber dazu mehr in meinem nächsten Bericht ;-) !
Liebe Grüße,
Julia