Monatsarchiv für Mai 2009

3. Tour zweiter Reisebericht

Dienstag, den 26. Mai 2009

Hallo zusammen,
jetzt bin ich einen Monat an Bord. es ist wieder Zeit für einen Reisebericht ;-) .
Die Zeit in Brasilien war ziemlich turbolent. In Brasilien war viel los. Der Aufenthalt in Suape war sehr kurz und die Hafenarbeiter waren sehr freundlich. nach dem Auslaufen war dummerweise das Hospital geflutet, weil jemand den Wasserhahn nicht komplett geschlossen hatte und das Ventil zum Abfluss zu war. Es musste also erstmal trocken gelegt werden. Natürlich kam der Naruf gerade dann als ich endlich unter der Dusche stand :-) ! Super Timing!! In Santos habe ich dann weil ich an meinem Geburtstag unbedingt in Rio sein wollte um telefonieren zu können zu Wachbeginn eine Bluse angezogen damit der Lotse kommt. Es hat gewirkt, wir haben den Anker gelichtet und sind dann während meiner Nachmittagswache eingelaufen. An meinem Geburtstag waren wir dann in in Rio Grande. Der Kapitän hat sein Versprechen wahr gemacht und ist mit mir an Land, natürlich erst nach meiner Wache. Ziemlich unorganisiert. Er hat den Agenten nicht gefragt wo man hin könnte oder wie man da hinkönnte, so sind wir zum Gate gelaufen, was wir auch nur gefunden haben weil ich die Hafenarbeiter gefragt habe. Dann hat glücklicherweise jemand vom Wachpersonal ein Taxi gerufen. Die Adressen die uns der Erste Offizier gegeben haben waren geschlossen, da Sonntag war. Die Straßen waren leer. Wir sind dann in ein Chinesisches Restaurant gegangen in dem wir die einzigen Gäste waren- ziemlich gespenstisch. Der Taxifahrer hat die ganze Zeit auf uns gewartet. Ich wollte danach gerne wieder zurück zum Schiff, schließlich hatte ich um Mitternacht ja wieder Wache, aber der Kapitän wollte noch in eine Bar. Der Taxifahrer sollte mit. Also sind wir noch zu einer Bar. Der Fahrer hatte nicht gefragt was für eine, sonst hätte ich eventuell so was wie Hard Rock Café gesagt. Naja, als wir angekommen sind fand ich es komisch, dass es dort Türsteher gab und ein Vorhang. Drinnen wusstem ich dann auch warum. Wir sind in einem Puff gelandtet in der eine Menge Seefahrer waren. Es sollte den Anschein eines Clubs machen und neben dem Tresen gab es eine kleine Tür in denen immer mal wieder Pärchen verschwunden sind. Der Analyse des Alten nach war ich ohne Landsmann in der Bar. Wobei eine Rosenverkäuferin kam aus Oldenburg (war aber auch schon um die 60 und hat Deutschland bestimmt schon seid über 30 Jahren nicht mehr gesehen). Ich war natürlich auch der einzige weibliche Gast, die anderen Mädels gehörten zum Inventar. Nachdem ich meine Cola ausgeschlürft hatte ging es dann endlich wieder zurück zum Schiff. Was für ein Abensteuer! Um 23:00Uhr waren wir dann an Bord.
Während meiner Wache sind wir dann auch schon wieder ausgelaufen und Richtung Navegantes (Itajai) gefahren. Dort haben die Hafenarbeiter sich reichlich eigenartig benommen. Sie haben diese Tanzkampftechnik an Deck gemacht und alle gegrölt wenn die verkehrten Laschmaterialien an die Container angebracht worden sind und der Container deswegen wieder an Land musste. In Paranagua lagen wir vor der Paranagua Express. Witzigerweise wurde dort dieselbe Funkfrequenz benutzt und man konnte hören, dass dort Deutsche an Bord waren. Irgendwann ging es um Landgang und dann wurde gesagt, dass sie die weibliche Stimme von nebenan mitnehmen wollten. Da hab ich mich in das Gespräch mit eingeklinkt. Zu dem Zeitpunkt war bei uns der Verdacht auf Schweinegrippe. Der Kapitän hat Fieber bekommen und sich sehr unwohl gefühlt. Wir mussten den Agenten informieren. Als der an Bord kam hat er die Gesundheitsbehörde angerufen und niemand durfte mehr von Bord. Also Gangway hoch und das kurz vor dem Schichtwechsel der Hafenarbeiter. Da haben dann ca. 20 Männer vor mir gestanden und wollten wissen was los ist. Mit meinem perfekten Portugisisch war das natürlich überhaupt kein Problem – Ich habe dann den Agenten gebeten die Situation zu erklären. Wir mussten auf den Arzt warten um klar zu stellen was los ist. Nach 2 Stunden kam er dann auch an Bord – total vermummt (hab leider kein Foto gemacht). Es stellte sich heraus, dass der Alte eine Rachenentzündung hat. Also durften dann alle wieder von Bord. Leider sind wir kurz danach von der Pier auf Reede gewechselt und ich konnte nicht mehr an Land mit den Jungs von nebenan. Bin nur noch kurz rübergelaufen um mal zu gucken wer das überhaupt ist. Wäre eine willkommene Abwechslung gewesen. 2 Praktikanten und der Erste Offizier. Nach 15 min musste ich wieder zurück weil der Lotse kommen sollte. In Santos haben wir jetzt Masken bekommen, die wir in den nächsten Häfen aufsetzen sollen, damit wir keine Schweinegrippe bekommen. Jetzt sind wir auf dem Weg nach Cartagena, am 27. sollen wir ankommen.

Stellt euch vor einen Abend, ich bin grad auf Kammer und wollte mich hinlegen, klingelt mein Telefon. Ein AB ist dran und fragt ob ich Spritzen geben kann. Er war im letzten Hafen beim Arzt weil er einen allergischen Hautausschlag hat. Der Arzt hatte keine Zeit und hat ihm einfach ne Spritze verschrieben, die er dann an Bord bekommen sollte. Tja, dann durfte ich runter ins Hospital und seinen Arm pieksen. Er hat überlebt ;-) ! Schon ein komisches Gefühl.
Gleich will ich runter und versuchen den Schlüssel für unsere Proviantlast zu bekommen. Mein Schokoladenvorrat neigt sich drastisch dem Ende und irgendwie steht in der Offiziersmesse kein Nutella. Außerdem will ich gucken was für Backzutaten wir haben, denn ich soll mal einen Kuchen backen. Abgesehen davon will ich auch gerne wissen was für Frpchte noch da sind und Säfte. Wir bekommen immer nur dasselbe. In Houston ist großer Crewwechsel. 8 Personen gehen, darunter auch das komplette Galleydepartment. Danach sind wir dann ein Altersheim. Die Personen die kommen sind bis auf eine Ausnahme in den 60ern und 50ern geboren. Wir sind dann nur noch 3 Personen aus den 80ern und ich bin die jüngste. Das kann ja heiter werden. Drückt mir die Daumen, dass alles gut geht! Vor allem dass sich die Stimmung hier an Bord verbessert!! Ach ja, der neue Kapitän hat die Dolores zum Verschrotten gebracht. Er ist dort als erster Offizier eingestiegen kurz nachdem ich dort runter war. Dann wurde er zum Kapitän befördert. Dann durfte er die alte Lady in Indien auf den Strand setzen. Das ist schon krass (mir fällt grad kein besseres Wort ein, dieser bericht ist sprachlich gesehen sowieso nicht besonders wertvoll..). Mal sehen wo er uns dann hinbringt – man darf gespannt sein!!
Also macht es gut!!
Viele sonnige Grüße vom Äquator!!
Julia

3. Tour erster Reisebericht

Sonntag, den 10. Mai 2009

Hallo zusammen!
Eigentlich wollte ich noch einen richtigen Abschlussbericht von der Reise auf der Alianca Patagonia, oder Fresena, abgeben, aber wie das Leben so spielt bin ich gar nicht erst dazu gekommen. Bevor ich noch mehr vorwegnehme lass ich die Reise auf der Fresena noch einmal Revue passieren. Anfang Februar bin ich in Salvador Brasilien eingestiegen. Das Schiff kam mir bekannt vor, weil mein erster Einatz als Offizier auf einem Schwesternschiff war. Das Fahrtgebiet, Ostküste Südamerika und Mittelamerika waren eine willkommene Abwechslung. Das letzte Mal bin dort 2003 gefahren. Also alles gute Voraussetzungen. Leider war ich zu Beginn des Einsatzes krank. Doch die Seereise von Brasilien nach Columbien war lang genug um die Mandelentzündung los zu werden. Die überfahrt war die längste seid 2006. Ich war begeistert. Wobei die ersten Tage an Bord immer gewöhungsbedürftig sind. Der erste Monat kam mir zwischendurch sehr lang vor, wusste ich doch, dass im 2. Monat eine Praktikantin kommen würde. Glücklicherweise war der erste Offizier derselben Meinung wie ich und hat seinem Nachfolger gesagt, dass sie bei mir auf Wache kommen sollte. Kurz bevor der Monat zuende war, mit einigen Enttäuschungen, die ich im letzten Bericht ja schon angemerkt hatte, wurde die Route geändert. Wir sollten nun nicht mehr runter bis Brasilien und hoch bis Mexiko, sondern nur noch zwischen Columbien und Venezuela hin und her fahren. Das war hart, denn die Überfahrt dauert nur 33 Stunden. In Venezuela lagen wir dann meist 5-8Tage an der Pier. Wann sollten denn die Sicherheitschecks gemacht werden und der damit verbundene Papierkrieg? Tja, die schiffsführung war sehr kulant und wir durften während der Ladungswachen, wenn mal wieder Pause gemacht wurde unsere Checks machen. Wir hatten eine Menge Spass und die Stimmung an Bord war super. Es hat uns Freude gemacht nachmittags Kuchen zu backen, oder an Land zu gehen um Brot, Feuerzeuge, Zahnpasta oder was sonst noch so benötigt wurde zu besorgen. Wir haben sehr viel gearbeitet und waren ein super Team. Gegen Ende des Monats wurde der Praktikantin dann ans Herz gelegt am Wochenende nicht mehr zu arbeiten, da sie sonst zu viele Überstunden hätte. Wir waren geschockt. Wir durften nicht mehr zusammen arbeiten? Das kam nicht in Frage, so hat sie ihre Freizeit damit verbracht meine Wachen zu versüßen. Schuld an der Situation war der Maschinenpraktikant, der Mitte des Monats eingestiegen ist. Seine Arbeitszeiten waren wesentlich weniger als die der Praktikantin. Das konnte sich der Kapitän nicht mit ansehen und wollte ihr etwas Gutes tun. Naja, wir haben das Beste draus gemacht. Der Abschied war traurig. Die Abschiedsparty war ein voller Erfolg und am Tag der Abreise sind die Jungs von Deck nochmal alle hergekommen um mein Gepäck herunter zu tragen und mir alles Gute auf dem Weg mitzugeben. Der Einsatz hat Spaß gemacht und die Überstunden haben uns nichts ausgemacht. Es war eine sehr gute Stimmung an Bord, wenn auch oft der Schlaf zu kurz kam. Meine Bewertung war super und somit konnte ich davon ausgehen meinen nächsten Einsatz dann als 2. offizier zu fahren.

Nach nur 18 Tagen ging es dann schon wieder los. Eigentlich waren 4 Wochen Urlaub eingeplant aber kurz nach Ostern kam dann ein Anruf, ob ich nicht schon am Anfang der nächsten Woche einsteigen könnte. Da mein Schatz schon vor Ostern wieder an Bord musste hab ich nicht lange gezögert und ja gesagt. Die Route war erst noch unbekannt, doch glücklicherweise habe ich sie dann doch noch vor dem Einsteigen mitgeteilt bekommen. Es sollte wieder Ostküste Südamerika und dann hoch bis zur USA werden. Das Schiff ist mir ebenfalls nicht ganz fremd, da ich meinen aller ersten Einsatz an Bord auf dem Schwesterschiff hatte. Ich bin dann also nach Houston geflogen um meinen ersten Einsatz als 2. Offizier anzutreten. Diesesmal ohne Praktikanten und ohne andere deutsche Besatzungsmitglieder und das für 4 Monate. Natürlich habe ich schon versucht die Praktikantin zu überreden von der Fresena zur Gallia zu wechseln ;-) ! Bei ihrer letzten Mail ist sie nicht darauf eingegangen. Mittlerweile bin ich knapp 2 Wochen an Bord. Der Anfang war schwer. Die Eingewöhnungsphase dauert auch noch an, aber mittlerweile komme ich mir nicht mehr als Außenstehende vor. Ich bin in Houston eingestiegen, gleich in der ersten Wache ist mir ein Patzer passiert. Das war mir natürlich sehr unangenehm. Es wurde nur mit einem Kran gearbeitet und ich hatte eine Frage zum veränderten Ladeplan und hab meinen Wachmann alleine an Deck gelassen. Während ich mit dem ersten geredet habe, wurde ein Lukendeckel geschlossen. Nachdem dann auch auf dem Lukendeckel fertig geladen war habe ich mir das genauer angeschaut. Dummerweise ist der Draht um einen der Schiffskräne zu laschen unter den Lukendeckel gerutscht. Er war nun eingeklemmt und der Bootsmann musste einen anderen Draht holen damit der Kran ordnungsgemäsß gelascht werden konnte. Das hört sich jetzt nicht so tragisch an, aber das bedeutet eine Menge Arbeit für die Jungs an Deck. Und das obwohl nur 1 Kran gearbeitet hat. Mein Wachmann hat gepennt und nur auf der anderen Seite der Luke geschaut nicht auf der wichtigen Seite, wo der Draht lag. Sehr unangenehm! Hab dann auch gleich einen auf den Deckel bekommen dass ich beim nächsten Mal besser aufpassen soll und dass das bei nur einem arbeitendem Kran echt nicht sein kann. Tja, super Start! Mittlerweile geht’s. Ich versuche wie eigentlich jedes Mal meine Arbeit zu machen und das ist auch bei der Schiffsführung angekommen. Es gibt auch schon eine nette Anekdote zu berichten. In jeder Kammer gibt es Schubladen und Schränke, die man abschliessen kann. Irgendwie ist der Schlüssel von meiner Kammer verloren gegangen. Ich konnte also nichts wegschliessen. Daraufhin habe ich angefangen nachzufragen, ob es nicht irgendwo noch diesen Schlüssel gibt. Gab es nicht. Dann ist der Kapitän auf die Idee gekommen ein Schloss aus seinem Schrank auszubauen und in meinem Schrank einzubauen. Gesagt, getan. Mit Schraubenzieher bewaffnet ist er dann hergekommen und hat die Schlösser ausgetauscht. Da bei meiner Schranktür das unterste Schanier gelöst war, hat er das auch gleich mit erledigt. Schon schön den Kapitän auf dem Boden hockend zu zusehen wie er meinen Kleiderschrank repariert. Nicht dass ich das nicht selber gekonnt hätte. Schon nett ;-) ! Der Kapitaen hat auch schon gekocht. Gefüllte Paprika nach landestypischer Art. Leider ist mir das Essen nicht so gut bekommen und den Nachmittag über bin ich nicht vom Lokus heruntergekommen. Abgesehen davon ist das mit dem Essen hier ganz gut. Mittags esse ich nur Brot, weil es ja mein Frühstück ist und Abends dann warm. So hat der Koch nur einmal pro Tag die Schwierigkeit etwas vegetarisches zu brutzeln. Der Steward ist immernoch etwas verwundert darüber, er meint, dass ich zu wenig esse. Er weiss nicht wie viele Süßigkeiten ich mit habe ;-) ! Heute ist der 1. Mai und es wird ein BBQ geben. Ich bin schon ganz gespannt wie das alles so aussehen wird.. Wir sind auf dem Weg nach Brasilien, Ende des Monats sollen wir dann wieder in der Karibik unterwegs sein. Eine Rundreise dauert ca 6-8 Wochen je nachdem wie das Wetter ist. Die momentane Charter ist aber nicht sicher. Dafür muss ich wohl etwas weiter ausholen. Also, das Schiff hier hatte einen Chartervertrag, der Ende Februar ausgelaufen ist. Da kein neuer Vertrag zustande kam, ist es auf Reede gebracht worden. So wie mittlerweile sehr viele Schiffe weltweit. Ja, die Finanzkriese ist auch in der Seefahrt spürbar. Nachdem ein Monat um war, hat die Reederei beschlossen das Schiff nach Emden zu überstellen, wo dann nur noch 2 Personen an Bord bleiben sollten. Der Elektriker und ein Hilfsmatrose. Die Route war schon geplant alles war vorbereitet. Am 2. April sollte es losgehen. am 1. April kam dann die Nachricht, dass noch bis zum 10. April gewartet werden soll. Naja und dann kam doch noch ein vorläufiger Vertrag zustande. Erstmal für 2 Monate, wenn alles gut läuft, dann länger. Mal sehen, wir sind alle sehr gespannt. Jetzt kommt ja noch die Schweinegrippe dazu. Bevor wir in die Häfen dürfen kommt ein Arzt auf Reede herausgefahren und untersucht alle nach Anzeichen der Schweinegrippe. Auf unserer geplanten Route liegen auch USA und Mexiko. Zum Glück dauert es ja noch einen Monat bis wir da sind. Mal sehen ob sich der Erreger bis dahin eindämmen lässt. Wir drücken die Daumen! Es ist ein großer Crewwechsel für Houston geplant. Das könnte sehr unangenehm werden für die Jungs. Wollen wir das Beste hoffen! So, das war es für heute. Das Hospital muss noch Brasilienfertig gemacht werden (vorzeigbar und gut durchorganisiert) danach will ich dem kapitän mal über die Schulter schauen was er heute zum Abendbrot zaubert ;-) ! Also macht es gut! Und ich freue mich über jeden Kommentar oder Gästebucheintrag!!
Liebe Grüße!!
Julia