Monatsarchiv für August 2009

3. Tour dritter Reisebericht

Montag, den 10. August 2009

Hallo zusammen,
der letzte Bericht ist schon eine Weile her, mittlerweile ist viel passiert. Wahrscheinlich war ein wenig Abstand zu meiner Pleiten, Pech und Pannenshow notwendig. Hier ein paar kleine Auszüge. Wir sind Mexiko angefahren, was mich natürlich gefreut hat, weil ich bei meinem letzten Einsatz leider keine Gelegenheit hatte dort an Land zu gehen. Dieses Mal sah es anders aus. Wir sind Mittags angekommen und sollten ursprünglich gegen 23:00Uhr wieder auslaufen. Also genügend Zeit um an Land richtig mexikanisch Essen zu gehen. Normalerweise ist das Landgangsende ungefähr 2 Stunden vor dem Auslaufen, also rund 21:00Uhr. Bis 18:00Uhr muss ich im Hafen an Deck bleiben aber danach sollte es spätestens losgehen. Tja, und dann kam alles anders. Wir sollten schon um 21:00Uhr wieder raus. Was meine Landgangspläne vorübergehend verninchtet hat. Der Erste Offizier war aber so nett mir zu erlauben schon um 17:00Uhr an Land zu gehen. Den Bootsmann durfte ich auch mitnehmen (alleine gehe ich in einem Land in den ich noch nicht war nicht von Bord).
Dummerweise haben wir ganz knapp den Shuttlebus verpasst, der uns hätte zum Gate bringen sollen. Also mussten wir jemanden finden, der uns fährt. Das haben wir dann auch. Am Gate angekommen hat mir der Bootsmann eröffnet, dass wir wahrscheinlich nicht aus dem Hafen kommen werden, weil wir keine Schiffsidentifikaionskarte haben. Beim letzten Mal hätte es aber wohl auch ohne funktioniert. Mittlerweile war es schon 17:20Uhr und um allerspätestens 20:00Uhr mussten wir wieder an Bord sein. Am Gate wurde uns dann auf mexikanische Art und Weise mitgeteilt, dass wir so den Hafen nicht verlassen dürfen. Sie wollte aber noch mal nachfragen hat uns unsere Ausweise abgenommen und verschwand. Nach gefühlten 2 Stunden (in Echtzzeit ca. 15 min) kam sie wieder und hat uns eröffnet, dass wir zumindest den Schiffsnamen und die Unterschrift des Kapitäns bräuchten um den Hafen verlassen zu dürfen. Leider war unsere Pier die an Gegenüberliegenden Seite des Hafens-zu weit weg um dieser Aufforderung schnell nachzukommen. Also mussten wir wieder auf den Bus warten, der uns zum Schiff zurück bringen würde. Nach einer Stunde warten sind wir wieder zu der netten Dame um zu fragen ob den überhaupt noch ein Bus fährt. Ihre Aussage nach schon. Nach weiteren 30 min habe ich dann nochmal einen Hafenarbeiter gefragt. Da Feiertag war fuhr kein Bus mehr. Super – also mussten wir laufen; mittlerweile wurde die Zeit schon knapp (es war schon 19:15Uhr). Bis zum Landgangsende mussten wir ja wieder an Bord sein. Glücklicherweise hat mich einer der Behördenvertreter wiedererkannt und uns gefragt ob er uns mitnehmen soll. Zu Fuß hätten wir es nicht mehr pünktlich geschafft. Doch zu früh gefreut. Auf dem Weg zum Schiff mussten wir einen Bahnübergang passieren, da war auch ein Zug, ein sehr langer Zug, der leider genau über dem Bahnübergnag kaputt gegangen ist. Nach 10 min Warten, in denen ich mir schon überlegt habe zwischen den Waggons durch zu klettern, ist der Fahrer um den Bahnübergang herum gefahren. Keine 5 min vor Landgangsende waren wir wieder an Bord, nach einem kurzen Abendbrot (da unseres ja nicht wie gewünscht draußen stattgefunden hat), sind wir auch schon ausgelaufen.
In Houston kam wie immer eine Businessmann an Bord, bei dem man verschiedenste Dinge käuflich erwerben kann. Das ist super, da man im Hafen nicht bis zum Gate laufen darf und es keinen Shuttlebus gibt. Zuerst wollte ich nichts haben und hab dann später doch mal geschaut, was es so gibt. Nachdem ich mich entschieden habe doch was zu kaufen hat mein Wachmann den Verkäufer per sms darüber informiert. Leider wollte er erst am nächsten Tag mit der Ware wiederkommen. Er ist dann auch vormittags an Bord gewesen, viele haben was gekauft nur keiner hat sich getraut mir bescheid zu geben, weil es ja meine Schlafenszeit war -dummerweise auch die von meinem Wachmann sonst hätte er nämlich das Geld für mich ausgelegt. Also bin ich mit leeren Händen aus Houston raus.
Es sind noch viele andere kleine Dinge passiert, zum Beispiel war Crewwechsel in Houston. Unter anderem ist das komplette Galleydepartment ausgetauscht worden. In Houston gab es dann eine Proviantlieferung. Nach meiner Wache um 18:00Uhr hatte ich natürlich hunger. Es gab aber kein Abendbrot, da die neuen gerade mit dem Proviant beschäftigt waren und die alten nichts vorbereitet hatten. Die Zeit war sehr knapp und deswegen gab es auch keine Übergabe zwischen den Köchen. Nachdem also die neue Küchencrew den Proviant fertig gestaut hat sind sie zwar wieder hoch in die Galley und zu den Messen, wussten aber nicht wo Töpfe, Besteck, Teller und so weiter waren. Ein heilloses Durcheinander. Um 19:30Uhr gab es dann endlich eine Kleinigkeit zu essen. Ich hab dann auch gleich erzählt, dass ich kein Fleisch esse, mit dem Erfolg, dass es am nächsten Tag nichts für mich zu essen gab. Der Koch wusste nicht was er für mich kochen sollte. Mittlerweile hat sich das alles eingerenkt.
Ach da fällt mir ein, dass ich noch etwas aus dem letzten Bericht richtig stellen muss. Der Kapitän hat die Dolores nicht selber auf den Strand gefahren, es wurde in Singapor an Inder übergeben, die haben es dann zum Verschrotten gebracht.
Mittlerweile haben wir eine Woche Reede vor Santos hinter uns. Dort ist gerade Winter und somit Regensaison. Abgesehen davon herrscht da ein Schwell von 1-3m. Als wir dort waren, hatten wir keine Ladung und deswegen war unsere Stabilität nicht besonders hoch. Schwell und Wind kamen meist aus verschiedenen Richtungen, mit dem Resultat, dass sich das Schiff immer wieder aufgeschaukelt hat bis zu Rollwinkeln von über 20Grad zu jeder Seite. Schlafen und Arbeiten waren dadruch ziemlich erschwert, die Schiffsbewegunen waren ja nicht gleichmäßig. Das alles mit einer Rollperiode von 11s. (Haben nachgemessen). Da fiel schon mal die Salatschüssel vom Tisch oder der Mülleimer flog über die Brücke. Das ist jetzt vorbei, da wir wieder eine Charter bekommen haben. Mittlerweile sind wir im Rio de la Plata, dem riesigen braunen Fluss, der vor Buenos Aires entlang fliesst. Hier ist wirklich Winter. Nachts fällt das Termometer auf 7°C, tagsüber sind es im Schatten ungefähr 11°C. Dummerweise war ich nicht wirklich darauf eingestellt in kältere Regionen zu fahren (so wie viele andere auch), so muss ich jetzt das Schichtprinzip anwenden und mehrere Lagen übereinander tragen. In ein paar Tagen sind wir aber wieder in wärmeren Regionen. Es geht wieder Richtung Brasilien. Vor allem die Crew wird dann aufatmen, sind sie doch ein ganz anderes Klima gewohnt. Hoffentlich komme ich nochmal an Land – mein Süßigkeitenvorrat ist leer ;-) ! So, jetzt muss ich mich beeilen, damit die Mail noch mit dem Mittagsreport rausgeht!

Viele winterliche Grüße!
Julia